Discount-Zertifikate

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • In der Tat ist das, was sich viele Anleger ohne Vorerfahrungen unter einem Discount-Zertifikaten vorstellen, nicht allzu weit von der Wirklichkeit des Marktes entfernt. Denn hier geht es faktisch um auf Aktienwerte bezogene Zertifikat-Modelle, die mit einem gewissen Preisnachlass in Relation zum jeweils aktuellen Preis des zugrunde liegenden Basiswertes in Umlauf gebracht werden.
  • Für Neulinge im Bereich des Handels an Zertifikat-Börsen und außerhalb der Börsenplätze sind die Produkte gerade deshalb interessant, weil die Risiken hier doch erkennbar besser kalkulierbar sind als bei vielen anderen Zertifikate, die auf den Plattformen der Anbieter und Emittenten gehandelt werden.
  • Die Funktion des Diskonts bezieht sich in erster Linie darauf, dass der Rabatt im Falle eines drohenden Preis- und Kursverlusts zu einer Senkung der Einbußen führen soll – wenigstens im Idealfall und bei vergleichsweise niedrigen Kursrückgängen. Die Discount-Werte verschiedener Produkte können sich dabei erheblich voneinander unterscheiden.

Rabatte und berechenbare Risiken für Händler?

discount zertifikateDer Begriff Discount oder Diskont begegnet Verbrauchern im alltäglichen Leben immer wieder. Meist geht es um die besonders günstigen Preise für Lebensmittel und andere Produkte in den großen Ketten des Einzelhandels. Genau genommen hat der Terminus auch beim Trading mit Produkten einer Zertifikate-Börse keine wesentlich andere Bedeutung. So erhalten Anleger bei Instrumenten aus diesem Spektrum einen gewissen Rabatt. Für die Discount-Zertifikat-Erklärung bedeutet dies, dass Händler beim Kauf von Zertifikaten auf Basiswerte wie vor allem Aktien in den Genuss einer Art Puffer kommen können. So federt der Preisnachlass auf den eigentlichen aktuellen Preis zumindest leichte Preisrückgänge im Interesse der Produktinhaber ab.

Dies freilich nur, wenn die Kurse nicht zu deutlich sinken, denn irgendwann ist die Pufferwirkung aufgebraucht. Dennoch realisieren Anleger durch Discount-Zertifikate bei überschaubaren Rückschlägen trotzdem einen Gewinn, sofern der „Discount“ nur groß genug angesetzt wurde.

Wer das Risiko scheut, setzt gerne auf auf Discount-Zertifikate

Vielfach werden Finanzinstrumente aus dieser Rubrik von Zertifikaten an Börsen oder außerbörslich gehandelten Angeboten in erster Linie als Offerten bezeichnet, die aus gutem Grund bei Anlegern ohne allzu hohe Risikobereitschaft beliebt sind. Entsprechend üppig fällt der Anteil der Discount-Zertifikate am Gesamtmarkt in der Realität aus.

Typisch für derlei Instrumente sind feste Laufzeiten, die ebenfalls hoch in der Gunst risikoscheuer Zertifikat-Investoren stehen. In jedem Fall zeichnen sich die Produkte durch eine Preisnotierung unterhalb des aktuellen Basiswertkurses aus. Ausnahmen von dieser Regel sind unmöglich.

Höhere Sicherheit geht zulasten der möglichen Gewinne

Wie eigentlich immer, wenn Zertifikate den Anschein erwecken, ausnahmslos positive Eigenschaften zu haben, gibt es auch bei Discount-Modellen zumindest eine Einschränkung. So zahlen Anleger für die mutmaßliche Rendite-Sicherheit einen indirekten Preis. Dieser taucht in der Erklärung in Form der sogenannten „Cap“ auf. Je deutlicher der Preisrabatt für das ausgesuchte Zertifikat, desto geringer wird die Cap angesetzt. Wer Sicherheit sucht, zahlt für dieses Entgegenkommen der Herausgeber somit quasi auf dem Umweg über die erreichbaren Maximalgewinne. Händler nehmen so einen Rendite-Verzicht in Kauf, da die Kursgewinne aufgrund der Cap-Vereinbarungen niedriger sind, als sie beim selben Basiswert ohne Discount-Preis möglich wären. Im Gegenzug kann das Anlagerisiko zu den eigenen Gunsten beeinflusst werden. Es gilt also einen gesunden Mittelweg zwischen der Risikobereitschaft und den eigenen Rendite-Zielen zu finden.

Extremfälle sind als Ausnahmemodelle am Markt zu finden

Besonders geringe Caps kommen übrigens bei den „Deep-Discount-Zertifikaten“ zum Einsatz. Instrumente aus diesem Segment sind wegen ihrer Renditechancen durchaus mit Tages- und Festgeldkonten vergleichbar. Selbst dramatische Kurseinbrüche (teils bis 50 %) werden hier abgefangen. Das geht zulasten der Gewinne, die vielerorts nur bei maximal 2,00 % liegen. Nichtsdestotrotz bevorzugen auch viele Profihändler Discount-Zertifikate, insbesondere in Phasen extremer Volatilität (Schwankungsbreite), wenn die Kurse am Aktienmarkt gravierende Veränderungen erkennen lassen, vorrangig natürlich, wenn es tendenziell nach unten geht. Wer sonst klassisch orientiert Geld in den genannten Bereichen des Geldanlage-Marktes investiert, kann also in Zertifikaten dieser „Bauart“ eine lohnende und relativ sichere Alternative finden.

Wir haben bisher vor allem eines gelernt:

Ihren Namen tragen Discount-Zertifikate aus einem guten Grund und vollkommen zu Recht. Den finanziellen Vorteil, den der Preisnachlass gegenüber dem Kurs des gehandelten Basiswertes aufweist, sollten Anleger trotz der Abzüge bei der Rendite beim besten Willen nicht unterschätzen. Schon deshalb nicht, weil der Rabatt (Discount) durchaus gut angesetzt sein kann – je nachdem, für welches Produkt die Entscheidung letzten Endes fällt. Das mit Cap ein klarer Maximalwert für den erzielbaren Gewinn existiert, bedeutet schließlich nicht, dass die Erträge nach Abzug aller Handelsentgelte nicht ordentlich ausfallen können. Zudem kann die Risikobereitschaft – so gering sie im Fall der Fälle auch sein mag – positiven Einfluss auf das bestmögliche Gewinn-Niveau haben, sofern die erhofften Kurssteigerungen beim ausgewählten Discount-Zertifikat eintreten.

Gewinne winken generell ab dem Moment, zu dem das Ende der Laufzeit erreicht ist. Sollte der Basiswertkurs identisch mit dem Cap-Wert sein oder ihn übertreffen, kommt es zum Gewinn. Und selbst wenn kein Zuwachs oder ein Wert in Cap-Höhe verbucht wird, sind Gewinne möglich. Denn in diesem Moment wird zum Kurs des Basiswertes (also zum Beispiel der Aktie) abgerechnet, der Grundlage des Zertifikats war.

Wichtigste Kennzahl: die Kreditwürdigkeit der Herausgeber

Die Suche nach interessanten Discount-Zertifikaten gelingt Händlern dank Online-Trading heute sehr einfach, schnell und vor allem zeitlich weitgehend unabhängig. Ausgangspunkt für dem Markt angemessene Investitionsentscheidungen sind insbesondere die typischen Kennzahlen, die auch bei anderen Produkten an den Zertifikatbörsen den Ausschlag für die Auswahl geben können. Die gefühlt endlose Auswahl an Instrumenten dieser Kategorie (Experten sprechen von einer sechsstelligen Menge an Zertifikaten, von denen nicht gerade wenige auch aus der Sparte der Discount-Werte stammen) verlangt von Händlern immer wieder eine ausführliche Analyse wichtiger Merkmale und Kennzahlen – allen voran der Bonität des Emittenten. Denn diese Information dient der Bewertung, wie wahrscheinlich eine Insolvenz des Herausgebers im Ernstfall ist.

Große Bankenhäuser gelten als wenig anfällig. Etliche andere Merkmale und Kennzahlen werden an anderer Stelle des Zertifikatratgebers noch ausführlich analysiert und erläutert. Eine schlechte Kreditwürdigkeit übrigens, so viel sei hier kurz erwähnt, bringt Investoren nicht grundsätzlich eine bessere Rendite oder einen günstigeren Preis ein.

Richtige Strategie eröffnet Anlegern weite Investitionshorizonte

An der Ausarbeitung einer passenden Anlagestrategie und einer Risiko-Chancen-Analyse führt also niemals ein Weg vorbei. Manches Produkt, das auf den ersten Blick sehr rentabel wirkt, erweist sich im Detail eher nicht als empfehlenswert. Dennoch sind Discount-Zertifikate im Grunde gerade in Krisenzeiten eine Möglichkeit, um das Risiko beim Spekulieren am Aktienmarkt (und anderen Märkten, deren Instrumente Basis für den Handel sein können) in seine Grenzen zu weisen. Steigen die Kurse, habe ich als Anleger teil an den steigenden Preisen des von mir bevorzugten Zertifikat-Basiswerts (auch Asset oder Underlying genannt).

Discount-Zertifikate auch für risikofreudige Anleger geeignet

Wie im Prinzip bei allen Zertifikat-Varianten können auch Interessenten für Discount-Zertifikate faktisch recht unterschiedliche strategische Richtungen einschlagen. Was manchen unerfahrenen Trader vielleicht etwas überraschen mag: Auch in diesem Umfeld gibt es eher offensive Strategien und andere Ansätze, die eher defensiver Natur sind. Ein Argument mehr für diese Produkte, da außer Freunden des Hochspekulativen nahezu jeder Anlegertypus Discount-Zertifikate für sich entdecken kann. Diese Instrumente, die neben Aktien vielfach auch Indizes als Grundlage haben, werden von Experten oft auch als das „Taschenmesser der Geldanlage“ tituliert, was der Funktionsweise mit dem „Abschneiden“ des Rabatts vom ansonsten geltenden Basiswert-Kurs geschuldet ist.

Anleger, die sich gezielt für einen „Discounter“ (wie Anbieter dieser Produktkategorie auch genannt werden) unter den Brokern am Markt entscheiden, können davon ausgehen, dass exakt diese Discount-Zertifikate einen Löwenanteil der Liste der Handelswerte ausmachen.

Das „Dilemma“ bei rückläufigen Basiswert-Kursen

Wir haben bereits kurz angesprochen, dass es keine Garantie dafür gibt, dass der Kurs des gewählten zugrundeliegenden Basiswertes eines Zertifikats mit Discount während der Laufzeit oder pünktlich zum Ende steigen wird. Sollte es zum Szenario sinkender Kurse kommen, wird Händlern der Gegenwert des Zertifikat-Bestandes ausgezahlt. Hierfür gibt es zwei Optionen.

  • a) Inhaber der Produkte erhalten einen Barausgleich oder
  • b) Es kommt zur Lieferung der Aktienmenge, die „gekauft“ wurde.

In beiden Situationen kann es je nach Puffer und Preis trotz und alledem zu einem Gewinn für den Anleger kommen. Erst ab einem gewissen Ausmaß steuern Anleger in den Verlustbereich. In der direkten Gegenüberstellung mit dem tatsächlichen Besitz der Aktien-/Indizes-Produkte aber wird das Minus in aller Regel niedriger ausfallen. Mit einem kompletten Verlust müssen Händler nur dann rechnen, wenn der Preis des Basiswertes auf null fällt. Ein vollständiger Wertverlust ist jedoch eher die Ausnahme von der Regel.

Wichtig ist die Einsicht auf Seiten der Anleger, dass der Blick auf die Einflüsse auf den Kurswert nicht einzig und allein im Moment der Fälligkeit eine Rolle spielen darf. Auch während der Laufzeit müssen Händler diese immer wieder prüfen und hinterfragen. Der Grund: Nicht in jedem Fall liegt Investoren das Halten der Positionen bis Zeitpunkt der Fälligkeit.

Ein Beispiel:

Händler A erwirbt Discount-Zertifikate vom Format B.

Nun kann es dazu kommen, dass der vorab bekannte maximale Gewinn (aufgrund der Cap-Auswirkung) schon relativ früh erreicht wird. Eventuell ist zeitgleich ein anderes Papier von größerem Interesse für A. Ein Verkauf kann in dieser Phase das nötige „Kleingeld“ für andere Spekulationen freisetzen.

Eine weitere denkbare Entwicklung:

Der Basiswertpreis steigt innerhalb der Laufzeit deutlicher, als es im Falle des Discounter-Zertifikats gegeben ist. Andersherum kann der Kurs, den der Discounter auslobt, ebenfalls stärker steigen als der Kurs des eigentlichen Basiswerts. Der anvisierte „Discount“ wäre jedoch erst im Augenblick des Laufzeitendes erreicht bzw. abgebaut. In diesem Fall würde sich die besagte Entwicklung in Gänze beim Discounter niederschlagen, und zwar mit einem Anstieg des Wertes.

Schwankungsbreite als Faktor für die späteren Renditen

Die schon erwähnte Volatilität hinterlässt zwar bei der Preisgestaltung zu Beginn nicht zwingend einen bleibenden Eindruck. Im Verlauf der Laufzeit aber kann die Schwankungsbreite sehr wohl Einfluss nehmen auf die Bildung der Preise. So kann der Discount steigen oder fallen, wenn es zu Schwankungen beim Kurs der Aktie bzw. des Indizes kommt – was wiederum Auswirkungen auf den Zeitpunkt des Kaufs haben kann und oft wird. Infolge eines Einkaufs sollte die Schwankungsbreite wieder zurückgehen. Dies lässt sich damit erklären, dass in diesem Fall auch der Discount – in Relation zum Basiswertpreis – sinkt. Damit verbunden wird es zum Preisanstieg für das betreffende Discount-Zertifikat kommen.

Steigt die Volatilität, sinkt der Wert der „Discounter“-Instrumente entsprechend. Ein Argument mehr, der Schwankungsbreite des Assets ausreichend viel Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen.

Welche Cap-Bedingungen sind für mich akzeptabel bzw. sinnvoll?

Was gerade Anfängern einige Schwierigkeiten bereitet, ist die Auswahl von Produkten mit einem passenden Cap-Wert. Dabei ist gerade dieser Aspekt relevant, um gute Ergebnisse erzielen zu können. Wirft man jedoch einen ersten Blick auf die Zahl der Emittenten von Discount-Zertifikaten, offenbart sich recht schnell, dass es auch in diesem Bereich einigen Spielraum für die die zu treffenden Entscheidungen gibt. Und diesen Spielraum gilt es im eigenen Interesse bestmöglich auszuschöpfen. Auch weil die Cap-Variante Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit und Höhe eines Gewinns hat. Bei steigenden Kursen der Basiswerte winken allemal Renditen, doch auch bei nur leicht sinkenden Kursen ist ein Profit generell denkbar. Einzig auf Gewinne bei sehr deutlich fallenden Kursen am Markt sollten Anleger niemals hoffen.

Cap-Werte basieren auf der Risikobereitschaft der Kunden

Wie schon angesprochen, präsentieren sich Discount-Zertifikate gerade bei Seitwärtstrends von ihrer besten Seite. Stagnierende Kurse bieten bei den sonst bevorzugten Finanzwerten wenig Aussicht auf Erfolg? Kein Problem – denn mit der Investition in ein Discount-Zertifikat können solche „Chancen-Engpässe“ vortrefflich überbrückt werden. Selbst dann noch, wenn nach und nach wieder Ruhe in die volatile Phase einkehrt. Im Falle eines defensiv ausgerichteten Produkts wäre der Cap unter dem derzeitigen Stand des Basiswertes angesiedelt. Bessere Renditen werden bei einer für Händler positiven Entwicklung aus naheliegenden Gründen dann realisiert, wenn Papiere eine offensive Ausrichtung erkennen lassen. Ein sehr niedriger Cap-Wert führt andersherum dazu, dass der ausgezahlte Gewinn entsprechend gering ausfällt. Schlimmstenfalls gibt es gar kein Plus, wenn auch noch die Kauf- und Verkaufsgebühren für die gehandelten Discounter abgezogen worden sind. Oder es entsteht trotz des eigentlichen Gewinns sogar ein Verlust, so paradox dies klingen mag.

In der Praxis hat neben der Volatilität des Basiswertes und der Kreditwürdigkeit des Herausgebers/Anbieters auch der sogenannte „Zeitwerteffekt“ eine elementare Bedeutung für Discount-Zertifikate. Der Zeitwertgewinn nimmt aus Sicht von Analysten gerade in den drei Monaten vor Laufzeitende zu. Eine Verschiebung der Risiken und Chancen kann insbesondere in Phasen zu geringer Volatilität auftreten.

stefan

Mein Fazit

Ob sich Zertifikate zum Discount-Preis tatsächlich lohnen und bezahlt machen, entscheiden letzten Endes einmal mehr die Ziele und Idealvorstellungen potentieller Anleger hinsichtlich der Risiken und der Renditen. Strebe ich relativ sichere Gewinne an und bin dafür bereit, auf besonders hohe Erträge zu verzichten, sind Produkte dieser Rubrik durchaus ein guter Weg. Dabei muss abermals darauf hingewiesen werden, dass die Höhe des Rabatts an diesem Punkt recht unterschiedlich aussehen kann. Somit ähneln sich die Angebote an der Zertifikate-Börse selbst innerhalb dieser keineswegs kleinen Kategorie nicht unbedingt allzu offensichtlich, auch wenn sie strukturell natürlich miteinander verwandt sind. Preise, Gewinnchancen, Caps und Preisnachlässe variieren aber im Einzelfall umso drastischer von Zertifikat zu Zertifikat.