Index-Zertifikate

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Indizes sind und bleiben für viele Händler die ideale Basis für den Zertifikathandel. Index-Zertifikate sind dementsprechend begehrt, was in weiten Teilen daran liegt, dass sie Anlegern aufgrund der Notierung verschiedener Aktienwerte eine gute Risikostreuung versprechen.
  • Das allererste jemals gehandelte Indexzertifikat war in den 1990er Jahren bezogen auf den wichtigsten deutschen Index, den Deutschen Aktienindex (DAX).
  • Heute können Anleger dank der digitalen Handelsmodelle von Banken und Brokern an zahllosen internationalen Börsen mit Index-Zertifikaten handeln und so an den Aufs und Abs der jeweiligen Kursentwicklungen partizipieren.

DAX-Index-Zertifikat war das erste gehandelte Zertifikat überhaupt

index zertifikateWill man den Handel an der Zertifikate-Börse verstehen und begreifen, wie Index-Zertifikate funktionieren beziehungsweise welcher Nutzen und welches Risiko sie auszeichnet, braucht es eine professionelle und objektiv korrekte Erklärung. Positive und negative Eigenschaften müssen gleichermaßen zur Sprache kommen, da vom Händler in spe nur so eine eindeutige Entscheidung für oder gegen das Format Index-Zertifikat getroffen werden kann. Geschieht dies nicht, fallen die Verlustrisiken unnötig hoch und vor allem unkalkulierbar aus. Generell sind Indexzertifikate sozusagen der Archetypus des Zertifikathandels. Denn das erste überhaupt emittierte Produkt dieses seit den 1990er Jahren boomenden Teil des Finanzmarktes war ein Anteilsschein auf die Kursentwicklung des Deutschen Aktienindex – kurz DAX.

Siegeszug der Produkte weltweit offensichtlich

Seit damals sind immer wieder neue Produkte entwickelt und herausgegeben worden, was letzten Endes nichts anderes als eine logische Folge ihres Erfolgs und der großen Nachfrage war. Index-Zertifikate lassen sich relativ einfach definieren: Es geht um Papiere, die Anlegern ermöglichen, an der Entwicklung verschiedener Aktien bzw. ihrer Kurse teilzuhaben, ohne die Werte einzeln handeln zu müssen. Ein Index-Zertifikat erlaubt es damit, über eine einziges Position oder Transaktion auf die Kursentwicklung eines kompletten Index zu wetten. Wissen müssen Anleger, dass Produkte dieser Art normalerweise unter Berücksichtigung eines gewissen, vorab definierten Bezugsverhältnisses emittiert werden. Dieses Verhältnis ist von entscheidender Bedeutung, da es überhaupt erst den Zertifikat-Wert in Relation zum jeweils aktuellen Stand des zugrunde liegenden Index-Kurses verdeutlicht.

Zwei Varianten von Index-Zertifikate werden am Markt gehandelt:

  • Produkte mit einer fest geplanten Laufzeit
  • sogenannte „Endlos-Produkte“

Risikostreuung dank verschiedener notierter Aktien in Indizes

Instrumente der zweiten Kategorie zeichnen sich dadurch aus, dass sie an jedem Handelstag während der geltenden Marktzeiten zum aktuellen Preis erworben oder verkauft werden können – also unter direkter Einbeziehung des Indexstands. Das Spekulationsrisiko betreffend unterscheiden sich Index-Zertifikate nicht gravierend vom Risiko, das Anlegern meist schon von Investitionen am normalen Aktienmarkt vertraut ist. Das Verlustrisiko bei diesen Zertifikaten wird durch die Verteilung und Gewichtung innerhalb des Index verteilt (Stichwort „Diversifikation“). Erwähnenswert ist an dieser Stelle, dass nicht allein Aktienindizes Grundlage von Index-Zertifikate sein können, auch wenn dies in vielen Fällen gegeben ist.

Direkte Abbildung der Kursentwicklung als Vorzug

Die Besonderheit bei der indexbasierten Zertifikat-Variante besteht in erster Linie darin, dass der Kurs des Produkts einer 1 : 1-Abbildung des Indizes entspricht – beziehungsweise des Kurs eines Modells, das als Basiswert ausgewählt wurde. Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle erwähnt: Diese Aussage trifft selbstredend im gleichen Maße auf Indexzertifikate zu, die nicht auf einem Aktienindex beruhen, sondern auf einem Index am Rohstoffmarkt oder einem anderen Wertpapierzertifikat.

Das sogenannte „Index Investing“ erfreut sich aktuell wachsender Beliebtheit, auch und gerade unter privaten Anlegern, die die positiven Eigenschaften dieser Strategie zu schätzen wissen. Vergleicht man Index-Zertifikate mit Indexfonds, bei denen es ebenfalls um das Abbilden eines Index geht, überzeugen Zertifikate in erster Linie dadurch, dass sie geringere Handelskosten verursachen.

Pleite des Herausgebers bedroht Anlegerkapital

Dabei muss als gewisser Nachteil jedoch genannt werden, dass hier das – wie bei allen Angeboten an Zertifikate-Börsen bestehende – schon mehrfach thematisierte Emittentenrisiko beim Anleger liegt. Fonds fallen rechtlich vielfach in den Bereich des Sondervermögens, sodass Anlegergelder im Falle einer Anbieter-Insolvenz unter die gesetzliche Einlagensicherung fallen. Sieht sich ein Herausgeber von Zertifikaten gezwungen Insolvenz anzumelden und kommt es nachfolgend zu einem Totalverlust der investierten Gelder, müssen Zertifikat-Eigentümer wie alle anderen Gläubiger darauf hoffen, im Zuge der Insolvenzmasse-Verwaltung wenigstens einen Teil ihres Kapitals zurückzubekommen – wobei die Chancen eher schlecht stehen, dass es zu einer Erstattung kommen wird.

Zu unterscheiden ist bei Index-Zertifikaten noch zwischen zwei anderen Rubriken:

  • Produkten, die Bezug zu einem Kursindex nehmen
  • Angeboten, die von Emittenten auf einen Performance-Index ausgerichtet werden

Wichtig ist dies insofern, weil im Rahmen der Rendite-Kalkulation bei einem Performance-Index auch die Ausschüttung von Dividenden zu Buche schlagen kann.

Dividendenleistungen bei Kursindizes ausgeschlossen

Bei einem Kursindex ist eine solche Prozedur im Vorhinein ausgeschlossen. Bei derartigen Produkten wird der Emittent die Dividendenzahlungen für sich verbuchen und Anleger nicht an diesen Erträgen teilhaben lassen. Indirekt ist das also ein finanzieller Faktor, der für Interessenten auf die Liste der Kosten gehört. Bezüglich der Gewinn- und Rendite-Aussichten machen sich Dividenden im Idealfall durchaus im Ausmaß einiger Prozent jährlich bemerkbar. Performance-Indizes sind schon aus diesem einfachen Grund für zahlreiche Anleger die erste Wahl, wenn sie eine Entscheidung zugunsten eines Produkts aus dem Bereich der Index-Zertifikate treffen.

Was muss ich beim Handel ausländischer Index-Zertifikate wissen?

Zur Sprache kommen muss in diesem Ratgeber-Teil der Definitionen und Erklärungen zu Zertifikaten ohne Wenn und Aber der Aspekt des Währungsrisikos. Dieses Risiko kann immer dann einen bleibenden Eindruck in der Anlegerbilanz hinterlassen, wenn Zertifikate in einer Fremdwährung gehandelt werden und notieren. Auf diese Risiken hat der Markt allerdings schon vor Jahren reagiert. Etliche Herausgeber emittieren „Quanto-Index-Zertifikate“, bei denen das Währungsrisiko ausdrücklich exkludiert wird. Faktisch aber weiß mancher Anleger in spe zu Beginn der eigenen Karriere weder von den Risiken des Spekulierens an ausländischen Zertifikate-Börsen in einer Fremdwährung noch von den Möglichkeiten, die Gefahren durch eine einfache Produktentscheidung zu umgehen.

Die angesprochene Risikostreuung mit mitunter höheren Renditen als bei einzelnen Werten ist das schlagende Argumente, das immer mehr Privatanleger dazu bewegt, mit Index-Zertifikaten zu spekulieren.

Zu den weltweit beliebten Basiswerten für Index-Zertifikate gehören:

  • der Deutsche Aktienindex (DAX)
  • der MDAX
  • der TecDAX
  • der Index EUROSTOXX50
  • der Dow Jones
  • der ‚normale‘ NASDAQ-Index sowie der NASDAQ 100
  • der japanische Nikkei 225
  • der S & P 500

Diese Liste kann im Prinzip nach Belieben durch alle international bedeutenden Indexwerte erweitert werden. Wie so oft haben auch Emittenten bei einem Index-Zertifikat weitgehend freie Hand bei der Produktausarbeitung. Sowohl was den zugrundeliegenden als auch den Preis angeht. Die Kreditwürdigkeit der Herausgeber ist wenig einflussreich, was die Ausgabekurse zum Zeitpunkt der Emission angeht.

Risiko überschaubar im Vergleich zu manch anderem Zertifikat

Wie bei allen Zertifikat-Varianten machen sich auf Seiten der Anleger natürlich nicht allein steigende Kurse im Portfolio bemerkbar. Auch bei sinkenden Kursen für die gehandelten Produkte partizipieren Händler an der Entwicklung des betreffenden Marktes. Dabei wirken sich ganz zwangsläufig auch einzelne Kursveränderungen der im Index notierten Aktienwerte auf das Gesamtergebnis aus. Das Risiko eines schmerzlichen Verlusts wird aber durch die diversen Aktien im Index diversifiziert, also gestreut, was zu einer Risikoabsenkung führt. Ein eindeutiger Vorteil eines Index-Zertifikats gegenüber einer normalen Aktien oder einem Aktien-Zertifikat. Wie viele Aktien in einem solchen Produkt zusammengefasst werden, hängt natürlich vom jeweiligen Index selbst ab. Die Menge an sich ist vordefiniert. Welcher Wert im Zertifikat welches Gewicht hat, kann dabei in unterschiedlicher Weise festgelegt sein.

Etliche Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Anlagen in Indizes Investoren bessere Renditen einbringen, als es einzelne Papiere im Normalfall zu leisten vermögen – von Ausnahmen einmal abgesehen, die es am Aktienmarkt immer wieder geben kann und wird.

Positionen bei der Verwaltung im Depot günstiger

Für Index-Zertifikate spricht des Weiteren logischerweise, dass Händler damit umhinkommen, zahlreiche kleine Positionen im Depot zu verwalten. Dies wiederum reduziert gerade die Handelskosten, eben weil nur ein Produkt gehandelt wird. Eine Verwaltung wie bei Fondsprodukten ist bei den Finanzinstrumenten dieser Kategorie nicht erforderlich, da sich Index-Werte selbst regulieren durch die täglichen Kursentwicklungen am Aktienmarkt. Die Resultate aktiv verwalteter Fonds können im Übrigen im Vergleich mit den zugrundeliegenden Indizes meist nicht mithalten. Darüber hinaus gibt es zumindest in der Theorie keine Begrenzungen der maximal erreichbaren Renditen – und das bei einem relativ geringen Verlustrisiko. Last but not spricht die Chancen des börsentäglichen Handels solcher Papiere aus Sicht vieler Anleger in spe für einen Einstieg, ebenso wie die hohe Transparenz bei Index-Zertifikaten. Schaut man sich die Möglichkeit endloser Laufzeiten der Produkte an, ist es kein Wunder, dass mancher Anleger Index-Zertifikate als festen Teil der eigenen Altersvorsorge verwendet.

Allerdings sind hier ausschließlich Basiswerte ohne regelmäßige massive Kursschwankungen von Interesse. Die Auswahl des Emittenten und des Index-Zertifikats muss bei solchen Anlagezielen umso gewissenhafter erfolgen.

stefan

Mein Fazit

Indexbasierte Zertifikate sind zunächst einmal gewissermaßen das Urgestein unter den Produkten der nationalen und internationalen Zertifikatbörsen, dem viele andere seit den 1990er Jahren folgten. Die Produkte stoßen aus mehrerlei Gründen bei vielen Anlegern auf Interesse. Die gute bis sehr gute Streuung des Verlustrisikos auf etliche verschiedene Aktien, die im Index gelistet sind, gehört fraglos zu den wichtigsten Vorteilen. Darüber hinaus zeichnen sich die Produkte vielfach durch faire Gebühren und ein hohes Maß an Transparenz aus. Und gerade Laien bevorzugen es natürlich, erste Gehversuche mit dem Zertifikathandel genau zu planen. Zumindest als eines von verschiedenen Instrumenten vertrauen auch viele erfahrene Händler bewusst auf den Nutzen und die Renditechancen von Indexzertifikaten, wenn die Lage der Märkte und Formate dieser Rubrik zueinander passen.