Kapitalschutz-Zertifikate

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Der Name der Kapitalschutz-Zertifikate ist Programm: Anleger können mit dieser Art Zertifikatformat für den Ernstfall eines negativen Ausgangs ihrer Positionen vorsorgen und erreichen, dass ihnen bei Verlusten ein mehr oder weniger großer Teil ihrer Einsätze erstattet wird von den Herausgebern der Produkte.
  • Eine 100-prozentige Rückzahlungs- oder Gewinngarantie bieten natürlich auch Schuldverschreibungen aus der Rubrik der Zertifikate mit Kapitalschutz nicht. Dennoch fällt immerhin das Risiko eines kompletten Einsatzverlusts erfreulicherweise deutlich geringer aus als bei manch anderem Produkte der Börsen und außerbörslichen Handelsplätze.
  • Je nach Schätzungen von Experten bringen es Kapitalschutz-Zertifikate am Markt im Moment auf einen Anteil von 20 bis 25 Prozent an allen gehandelten Zertifikat-Instrumenten → damit gehören die Produkte zu den beliebtesten Angeboten überhaupt, von Seiten der Emittenten wie der Händler.

Sicherheit für Anleger dank Kapitalschutz-Zertifikaten?

kapitalschutz zertifikateDass alles im Leben relativ ist, wusste schon das Jahrhundertgenie Albert Einstein. Was für den einen viel ist, mag dem anderen wenig erscheinen. Doch gerade Anleger, die Gelegenheiten an Zertifikate-Börsen suchen und dabei sowohl der Rendite als auch den Risiken ausreichend Aufmerksamkeit zuteil werden lassen, können erfahren, was der Begriff „relativ“ wirklich bedeutet. So tauchen in der Beschreibung zu manchem Zertifikat-Produkt Erklärungen auf, die dieses oder jenes Instrument einer Kategorie als sicheres Investment ausweisen. Zunächst wenigstens, denn schaut man genauer hin, ist die vermeintliche Sicherheit für den Einzelnen vielleicht alles andere als ausreichend, um sich für besagtes Produkt erwärmen zu können. Kapitalschutz-Zertifikate sind in gewisser Weise eines dieser Formate an Zertifikatbörsen, das aber fraglos in puncto Sicherheit im Vergleich mit etlichen riskanteren Modellen überzeugt.

Doch auch hier gibt es natürlich keine 100-prozentige Sicherheit, dass Renditen realisiert werden. Und selbst die Gewissheit, den vollen Einsatz am Ende der Laufzeit zurückzubekommen, können seriöse Emittenten ihren Investoren niemals geben – ganz davon abgesehen, dass die Risiken nicht die einzige Seite der Medaille namens Kapitalschutz-Zertifikat sind. Auf der anderen Seite befinden sich die Renditechancen, die Händler für die Erstellung einer praxisnahen Risiko-Chancen-Analyse ebenfalls kennen müssen.

Produkte werden auch Garantiezertifikate genannt

Eine erste wichtige Information im Zusammenhang mit dem Modell des „Kapitalschutz Zertifikats“ ist, dass es vielfach auch als „Garantiezertifikat“ bezeichnet wird. Ebenso gebräuchlich ist der Terminus des Airbag-Zertifikats. Ganz gleich, unter welchem Namen Angebote von Banken und anderen Emittenten gelistet werden, sie sollen Anlegern vor allem eines bieten: Sicherheit. Sicherheit, wenn die Zeiten an den nationalen und internationalen Zertifikatbörsen als eher unsicher gelten. Dass mancher Herausgeber bei der Präsentation seiner Angebote gerne mal etwas übers Ziel hinausschießt und Angebote als nahezu perfekten Schutz für Anleger mit hohem Sicherheitsbedarf empfiehlt, mag man kritisieren – unterm Strich handelt es sich bei solchen Aussagen natürlich vorrangig um Werbung in eigener Sache. Alle Anleger sind stets dazu angehalten, auch die Konditionen für Kapitalschutzzertifikate samt der Risiken individuell zu prüfen, um herauszufinden, ob das jeweilige Produkt den eigenen Ansprüchen gerecht wird.

Richtig ist ebenfalls, dass in der Tat in Phasen sinkender Kurse bei vielen Händlern und Anlegern das Bedürfnis nach Sicherheit merklich steigt. Und diese Wünsche bedienen Emittenten eben nicht zuletzt durch das Aufsetzen neuer Kapitalschutz-Papiere.

Herausgeberinfos auf Wahrheitsgehalt prüfen

Beim DDV – dem Deutschen Derivate Verband – heißt es von Expertenseite, dass die Produkte mit Kapitalschutz im Bereich der strukturierten Zertifikate aktuell etwa ein Fünftel aller Produkte am Markt ausmachen. Eine eindeutige Bestätigung der Theorie, dass Anlegern die eigene Sicherheit in vielen Fällen eben doch vor Gewinn geht. Viele Kapitalschutz-Zertifikate sehen zum Ende der fixen Laufzeit entweder Teilrückzahlungen vor; manche Herausgeber garantieren ihren Kunden gar eine Rückzahlung in Höhe von 100 Prozent des jeweiligen Emissionspreises. Solche Offerten sind mitunter mit Vorsicht zu genießen, da solche Rahmenbedingungen möglicherweise darauf schließen lassen können, dass die Anbieter derartiger Kapitalschutzzertifikate dringend Geld benötigen und dementsprechend großzügige Bedingungen erstellen, um Angebote an die Kunden zu bringen.

Kurzfristige Investments in diesem Bereich meist ausgeschlossen

Zeigt ein präziser Vergleich der Produkte indes, dass dahinter ein seriöser und vor allem kreditwürdiger Emittent steht, spricht im Grunde nichts dagegen, in Kapitalschutz-Zertifikate mit einer so hohen Rückzahlungsquote zu investieren, wenn die Kurse am Aktienmarkt ansonsten vor einem Kollaps stehen oder zumindest einen fortgesetzten Abwärtstrend erkennen lassen. Die Höhe der Rückzahlung wird üblicherweise auf den Zertifikat-Nennwert angegeben. Gewinnchancen bestehen für Händler der genannten Produkte natürlich dennoch zum Ende der Laufzeit. Die klar festgelegten Laufzeiten wiederum bedeuten, dass Garantie- bzw. Kapitalschutz-Zertifikate wenig geeignet sind, um als Anleger im Bereich des Kurzfristhandels Gewinne zu realisieren.

Auch sei darauf verwiesen, dass Kapitalschutzzertifikate in aller Regel bezüglich ihrer Produktstrukturen recht komplex ausfallen. Ohne umfangreiche Analysen sollten Investoren in diesem Umfeld also besser nicht Geld anlegen. Gerade am Anfang der Handelskarriere können Kunden diesbezüglich also mit Verständnisproblemen konfrontiert werden.

Anleger müssen geringere Erträge für die Sicherheit in Kauf nehmen

Die Aussage, dass Garantiezertifikate weitgehend ohne die üblichen Gefahren auskommen, darf nicht überbewertet werden. Zwar können Anleger hier in gewisser Weise sprichwörtlich auf „Nummer Sicher“ gehen, da sie am Ende der definierten Laufzeiten genau die Summe zurückbekommen, die als anfänglicher Einsatz riskiert wurde, genauer gesagt: mindestens die Investitionssumme. Dafür halten sich die erreichbaren Renditen im direkten Vergleich mit manch anderem Produkt der Zertifikate-Börsen eher in Grenzen. Hier gilt es also abzuwägen, was dem Händler nun wichtiger ist: Sicherheit oder ein hoher, oft sogar unbegrenzter Maximalgewinn.

Wer sichere Bedingungen sucht, ist bei Kapitalschutzzertifikaten goldrichtig

Die Absicherung gegen massive Kursverluste ist vielen Anlegern durchaus ein Verzicht auf geringere Renditen wert. Die Rechnung kann aufgehen, wenn man davon ausgeht, dass viele Kunden lieber geringere Gewinne in Kauf nehmen, um dann über etliche erfolgreiche Positionen einen guten Gesamtgewinn zu erreichen. Dabei müssen natürlich immer die Handelsentgelte im Blick behalten werden, damit sich der Zertifikate-Handel mit Absicherungsmechanismus wirklich lohnen kann.

Tatsächlich bezeichnen sich keineswegs nur Anfänger auf Nachfragen als eher sicherheitsorientiert. Der Vorteil ergibt sich in erster Linie dann, wenn Produkte vom Zeit der Auflage und Emission bis zum geplanten Laufzeitende zu halten bereit sind. Denn in solchen Fällen besteht überhaupt kein Risiko, einen Teil des investierten Kapitals einzubüßen.

Die Partizipationsrate, ein wichtiger Faktor

Die Gewinne über die Auszahlung der Investitionssummen hinaus ergeben sich auf Grundlage einer sogenannten Partizipationsrate. Diese Rate gibt an, zu welchem Prozentsatz Anleger an einem möglichen Kursanstieg ab dem Einstieg beteiligt werden. Wird die Quote mit 70 Prozent angegeben, erhält ein Investor 70 Prozent vom realisierten Kursgewinn, sobald das Ende der Laufzeit erreicht ist. Die Kapitalgarantie greift dagegen bei jeder Art von Kursverlust, der als zweites mögliches Szenario genannt werden muss. Ein beliebter Vergleich, mit dem sich Zertifikate dieser Art oftmals konfrontiert sehen, ist der mit Anleihen. In der direkten Gegenüberstellung mit Anleihen von Anbietern bester/höchster Kreditwürdigkeit schneiden Garantie-Zertifikate bezüglich realistischem Ertrag fast immer merklich besser ab.

Auch aus diesem Grund sind Kapitalertrag-Zertifikate für viele Anleger ein guter Einstieg in den Finanzmarkt, ohne direkt größere Summen investieren zu müssen. Das auffälligste Risiko ist in diesem Fall, dass Anleger keinen Gewinn realisieren, sollte es zu einer schlechten Kursentwicklung des Basiswertes kommen.

Anleger müssen Geduld haben – vorzeitiger Verkauf wenig rentabel

Anleger müssen außerdem wissen, dass die Kapitalgarantie ausschließlich am Ende der planmäßigen Laufzeit greift. Wer seine Papiere schon früher verkaufen möchte, muss im Ernstfall damit rechnen, dass es zu einem Verlust kommt. Auch bleibt das übliche Emittentenrisiko bestehen – im Falle einer Insolvenz des Herausgebers geht also im Ernstfall auch der Zertifikateinsatz verloren.

Unterschiede oft erst in Details der Produktbeschreibungen erkennbar

Vor dem Einstieg müssen Anleger darüber hinaus wissen, dass es nicht nur eine einzige Variante der Kapitalschutzzertifikate am Markt gibt. Es können verschiedene Formen der Rückzahlung existieren. Denkbar ist zum Beispiele eine Rückzahlung des ursprünglichen Emissionspreises. Bei anderen Produkten ist die Rückzahlung an bestimmte Konditionen gekoppelt. Die klassische Produktvariante aber sieht meist eine 100%ige Ausschüttung des Einsatz vor. Dieser Umstand darf aber nicht mit einem vollständigen Abfangen der Handelskosten gleichgesetzt werden. Denn so oder so müssen Händler solcher Zertifikate für die Ausgabeaufschläge, fällige Maklercourtagen und etwaige weitere Handelsentgelte der Zertifikate-Börsen aufkommen. Auch dann, wenn ihnen nicht der geringste Gewinn entstehen sollte, was gerade in schwierigen Börsenzeiten alles andere als unwahrscheinlich ist.

Die entstehenden Gebühren beim Handel an der Zertifikate-Börse werden von der Bank oder dem Broker gleich vom später ausgezahlten Kapital einbehalten – es sei denn, es handelt sich bei den Entgelten um regelmäßige, laufende Kosten. Diese würden dann immer wieder mit dem Depot- und Handelskonto-Guthaben verrechnet.

Fünfjährige Haltezeiten branchenintern gang und gäbe

Und dabei ist es unerheblich, ob die Kapitalgarantie nun individuell beim vollen Einsatz oder nur bei 85 Prozent im Rahmen der Emission angesetzt wurde. Als typische Investitionszeiträume beim Handel von Kapitalschutz-Papieren sind Laufzeiten von fünf Jahren zu nennen. Analysten raten vielfach wenigstens zu einer solchen Laufzeit, damit sich die Produkte aus Anlegersicht bezahlt machen. Wer sich nicht derart lange an ein Produkt binden möchte, sollte eher nach anderen Anlagealternativen suchen, auch wenn diese vielleicht ohne einen Kapitalschutz auskommen. Garantie-Zertifikate zeichnen sich dadurch aus, dass viele Angebote dieser Rubrik mit einem „Cap“ ausgerüstet sind. Dahinter verbirgt sich im Prinzip eine Art Counterpart zur Rückzahlungsgarantie.

So sorgen Emittenten dafür, dass Händler im Falle positiver Kursentwicklungen keinen Anspruch auf den vollen Gewinn haben. Stattdessen werden ihnen nur die Gewinne bis zu einer bestimmten Kursmarke zum Laufzeitende mit dem Kapital ausgezahlt. Den restlichen Gewinn sichert sich der Herausgeber selbst.

Auch die Gewinne werden mehr oder weniger stark begrenzt

Andere Kapitalschutz-Zertifikate können mittels Wertpapierkennnummer (WKN) ebenfalls an den Börsen oder auf den Handelsplattformen der Broker in Suchmasken aufgerufen werden, denn nicht jedes Garantie-Zertifikat ist standardmäßig mit der Cap ausgestattet. Produkte ohne Cap aber zeichnen sich im direkten Vergleich zu Angeboten mit Gewinnobergrenzen wahlweise durch höhere Entgelte oder geringere Rückzahlungsquoten aus. Es gilt also gezielt abzuwägen, welchem Instrument des Marktes man im Einzelnen den Vorzug gibt. Um zum Schluss Daten für ein prozentuales Verhältnis zwischen Cap-freien Kapitalschutz-Zertifikaten und solchen mit einer Begrenzung des Maximalgewinns zu liefern: Im Jahr 2013 sollen nach Informationsbroschüren zu Garantie-Zertifikaten etwa 30 Prozent der Produkte am Markt von den Emittenten mit einer Rendite- bzw. Gewinnbegrenzung bestückt worden sein.

stefan

Mein Fazit

Die Option, Zertifikate mit Kapitalschutz zu erwerben und zum Ende der Laufzeit – ohne erschreckend hohe Risiken – durchaus ordentliche Gewinne einzustreichen, macht die Produkte letzten Endes nicht allein für Sicherheit liebende und unerfahrene Anleger interessant. Vielmehr wissen alle Händler die positiven, anlegerfreundlichen Eigenschaften der Kapitalschutz Zertifikate zu schätzen, um das Risiko im Wertpapierdepot zu streuen und auch in schwierigen Marktphasen Gewinne mitzunehmen. Dass die Renditen vielleicht nicht so üppig ausfallen wie bei manch riskanterem Format, nehmen Investoren zumindest hin und wieder vor dem Hintergrund der kalkulierbaren Verlustgefahren gern in Kauf. Zumal Kapitalschutz-Zertifikate teilweise nachweislich die beste Wahl sind, wenn Kurse nicht all zu akute Bewegungen erkennen lassen.