Tracker-Zertifikate

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Anleger, die ihr Erspartes in Tracker Zertifikate investieren, partizipieren 1 : 1 vom Verlauf des Kurses des jeweiligen Basiswertes; die Basiswerte wiederum stammen in den allermeisten Fällen aus dem Index- und Aktien-Segment
  • Gerade Index-basierte Zertifikat dieser Bauart sind interessant, da Händler so auch in Werte investieren können, die als Direktinvestment wegen der hohen erforderlichen Einlagen sonst eher keine wirkliche Alternative wären
  • Unterschiede weisen die zahlreichen Produkte nicht nur im Hinblick auf die Ausgabepreise am Markt auf; auch und gerade bei der Behandlung von möglichen Dividendenzahlungen stoßen Käufer in spe im Vergleich auf recht unterschiedliche Arbeitsweisen auf Seiten der Emittenten.

Tracker-Angebote: Guter Einstieg in gewinnträchtige Basiswerte?

tracker zertifikateDen Begriff „Tracking“ kennen viele Verbraucher aus ihrem Alltag. Dabei geht es meist darum, bestimmte Entwicklungen wie beispielsweise den Versandstatus eines Pakets nachverfolgen zu können. Im Falle der sogenannten Tracker-Zertifikate kann diese alltägliche Definition des mittlerweile eingedeutschten Wortes zu gewissen Missverständnissen führen, wobei durchaus Berührungspunkte zu erkennen sind. Analysten weisen in Zertifikat Erklärung zu dieser besonderen Produktart gerne auf die Parallelen und Ähnlichkeiten zu ETF-Produkten, den Exchange Traded Funds (börsengehandelten Fonds), hin – denn in beiden Bereichen können Anleger an der Entwicklung eines Aktienindex partizipieren.

Ähnlichkeiten bei Tracker-Zertifikaten & ETC-Produkten

Um ETF-Angebote soll es an dieser Stelle des Ratgebers rund um die Offerten der Zertifikate Börsen und die Funktionsweise der diversen unterschiedlichen Optionsschein-Variante und Zertifikate-Typen nicht gehen. Stattdessen geht es um die Frage, was ein typisches Tracker Zertifikat bieten kann und wie es um die Renditechancen sowie die Handelsrisiken steht. Durchaus große Parallelen hingegen gibt es zwischen Tracker-Zertifikaten und ETCs – den Exchange-traded Commodities. Genauer gesagt handelt es sich bei diesen um spezielle Zertifikate, die als Angebote auf Basiswerte aus dem Segment der Rohstoffe erstellt und von Herausgebern emittiert werden.

Abweichungen zwischen Zertifikat- und Basiswertpreisen

Die erste wichtige Aussage zu Tracker-Zertifikaten bezieht sich auf die Basiswerte, die Ausgangspunkt des Handels sein können. Deutlich wird dabei sehr rasch, dass die Funktion der Produkte die Angebote im Grunde zu klassischen Aktien- oder Index-Zertifikaten werden lässt. Denn Tracker-Zertifikate bilden den jeweiligen Basiswertkurs im Verhältnis 1 :1  ab. Diese Information aber ist wie so oft nur die halbe Wahrheit. Denn darüber hinaus ist zu sagen, dass diese Produkte beim Preis kein 1 :1‑-Verhältnis zum Underlying (Basiswert) verlangen. Die Preise entsprechen nicht den jeweils aktuellen Basiswertpreisen.

Die Folge:

Anleger, für die aus Gründen eines eng gesteckten Budgets keine Direktanlagen infrage kommen würden, können durch die niedrigen Preise für viele Tracker-Zertifikate trotzdem die Gelegenheit, über die Entwicklungen des Asset-Kurses Geld zu verdienen. Damit stellen diese Produkte also durchaus eine interessante Horizonterweiterung für viele Investoren dar, die normalerweise eher mit einem eingeschränkten Spielraum Vorlieb nehmen müssen.

Die Auswahl in der Rubrik der Tracker Zertifikate endet erwartungsgemäß nicht bei Aktien und Indizes der nationalen oder internationalen Börsen. Auch und gerade Bereiche wie der Strom- oder der Energiemarkt insgesamt, die manchen Kleinanlegern eher verschlossen bleiben würde, öffnen so ihre Pforten selbst für diese Zielgruppe.

→ Prüfen, ob Dividendenausschüttung zur Produktausstattung gehören!

Keine Direkt-Ausschüttung von Dividendengeldern

Der Verweis auf Dividenden darf nicht falsch verstanden werden. Im eigentlichen Sinne sind direkte Auszahlungen von Dividenden nicht vorgesehen. Indirekt aber können die Ausschüttungen auf dem Umweg der Diskontiert durchaus im Kurswert der Zertifikate einbezogen werden. Dies bedeutet: Einkünfte aus Dividendenauszahlungen machen sich im Fall der Fälle in Form einer Steigerung der Zertifikat-Kurse bemerkbar! Diesen Faktor also sollten Anleger im Blick behalten beim Vergleich.

Das lästige Thema Steuern bei Tracker-Zertifikaten

Allerdings hat die 2009 eingeführte Abgeltungssteuer von pauschal 25 Prozent (zzgl. Solidaritätszuschlag und evtl. Kirchensteuer) einen der vormals bestehenden Vorteile im Rahmen möglicherweise Gutschriften von Sonderdividenden weitgehend schwinden lassen. Was Dividendenberechnungen und die allgemeine Ausstattung von Tracker Zertifikaten angeht, sollten Interessenten ohnehin ausreichend Zeit für die Konditionsanalyse aufbringen, um die detaillierten Unterschiede der Angebote verschiedener Formate und Emittenten frühzeitig zu erkennen.

Verschiedene Begriffe können dasselbe Produkt meinen

Der genaue Blick in die Produktbeschreibungen der Emittenten zeigt, dass Anleger, die Inhaber von Tracker Zertifikaten sind, nur in Ausnahmefällen dividendenberechtigt sind. Sofern dies der Fall ist, sprechen Experten auch von sogenannten „Dividenden Tracker“-Zertifikaten. Eine andere Bezeichnung lautet „EST Tracker“, wobei die Abkürzung für den deutschen Begriff der Einkommenssteuer steht. Tracker-Zertifikate an sich zählen bereits seit den Anfangstagen des Handels an Zertifikatsbörsen (schließlich existieren diese Produkte erst seit den 1990er Jahren) meist gefragten und gehandelten Formaten strukturierter Art. Gerade der Deutsche Aktienindex (DAX), der Swiss Market Index (SMI) und ähnlich renommierte Aktienindex-Werte sind zumeist Grundlage der Tracker-Zertifikate am Markt.

Tracker-Modelle eignen sich sehr gut zur Risikostreuung

Wie bei klassischen Index-Zertifikaten erreichen Händler auch hier eine sehr gute Diversifikation (Risikostreuung), indem sie nicht auf Einzelwerte, sondern eben einen Index vertrauen, der wiederum aus verschiedenen Werten besteht. Eins zu eins an der Entwicklung des Index teilhaben zu können, ohne ein direktes Investment zu planen, ist natürlich der auffälligste Vorzug der Tracker-Zertifikate. Darüber hinaus ist dieses Instrument der Zertifikat Börse leicht verständlich, vergleichsweise preiswert und damit auch und gerade für Anfänger mit geringer Risikobereitschaft und wenig Kapitaleinsatz von Interesse. Letztlich sind die Angebote nicht selten der einfachste und günstigste Einstieg in exotische Aktienmärkte und den Rohstoffsektor, der Privatanleger sonst oft vor zu hohe Anforderungen stellt.

Indizes handeln ohne sehr hohe Kapitaldecke

Der Grund für die bevorzugte Auswahl dieser Zertifikate ist unter anderem in einem Punkt zu sehen: Viele Anleger wissen um die Gewinnchancen, die große Indizes der internationalen Aktienmärkte bieten können. Schaut man sich jedoch die Notierungen an, die mitunter im mittleren oder sogar hohen vierstelligen Punktbereich angesiedelt sind, fallen Investitionen in diesem Sektor für Normalverdiener im Prinzip im Vorhinein aus dem Vergleich heraus. Eben weil das Budget nicht ausreichend Entfaltungsspielraum bieten wird. Tracker-Zertifikate erlauben dank des Bezugsverhältnisses auch bei diesen kostspieligen Indizes einen recht günstigen Einstieg.

Ein Beispiel:

Der Index XY sieht ein Bezugsverhältnis in Höhe von 0,1 vor. In diesem Fall müssen Anleger nur 10,00 % des aktuellen Preises des Basiswertes für ein Zertifikat ausgeben. Ein eher überschaubares Kapital muss damit nicht zwingend zu einem Ausschluss der Basiswerte führen!

Währungsrisiko muss Anlegern ebenfalls bekannt sein

Ein Punkt, dem Interessenten im eigenen Interesse bei der Auswahl ausreichend Aufmerksamkeit zuteilwerden lassen sollten, sind Indizes ausländischer Zertifikate Börsen, die auch außerhalb Deutschlands gehandelt werden. In diesem Fall werden Instrumente vielfach in Fremdwährungen getradet, was mit dem sogenannten Fremdwährungsrisiko verbunden ist. Zumindest in solchen Fällen, in denen für die betreffende Notierung nicht eine entsprechende Währungssicherung installiert wurde. Unter dem Begriff Quanto-Zertifikate sind am Markt Produkte zu finden, bei denen das Risiko in besonderer Weise zu berücksichtigen ist. Existiert ein solches Währungsrisiko, bedeutet dies für Anleger, dass Schwankungen der Kurse am Devisenmarkt zu höheren Verlusten, aber letztlich ebenso zu einem Anstieg des realisierbaren Gewinns führen können.

Performance-Indizes auf der einen, Kursindizes auf der anderen Seite

Zudem sei auf den elementaren Unterschied zwischen Performance-Index-Instrumenten und einem reinen Kursindex verwiesen. Bei Kursindizes spielt einzig und allein die Entwicklung des Indexkurses eine Rolle, wobei Dividendenabschläge direkt eingepreist werden. Tracker-Zertifikate aus dem Performance-Segment (wie bereits kurz angesprochen) können ihrerseits Dividenden sowie mögliche Bezugsrecht-Erlöse umfassen, was im Idealfall zu einer Steigerung der Renditen führt. Unter Umständen winken so sogar bei mehreren im Index notierten Aktien zusätzliche Gewinne!

Wann genau bieten sich Tracker-Zertifikate beim Handel an?

Gute Situationen für das Spekulieren mit Trackerzertifikaten sind Phasen, in denen ich als Anleger damit rechne, dass die Kurse der bevorzugten Basiswerte in absehbarer Zeit (wieder) steigen werden. Darüber hinaus geht es hierbei um Produkte, die explizit für Investoren bestens geeignet sind, die großen Wert auf eine gute Risikostreuung (Diversifikation) legen und vor allem wenig Interesse daran haben, sich ständig mit einzelnen Aktienwerten auseinander zu setzen. Erwähnenswert ist die Tatsache, dass es sich aktuell bei mehr als 60 Prozent aller in Umlauf befindlichen Tracker-Zertifikate an den Zertifikatbörsen um Angebote handeln, die als Open-End-Varianten gehandelt werden und somit ohne eine vorab definierte Laufzeit und einen fixen Verfallszeitpunkt auskommen.

Händler können diese Produkte also ohne Weiteres als langfristiges Investment ansehen, bei dem sie dennoch flexibel entscheiden können, wann genau der richtige Moment für den Verkauf gekommen ist. Das besagte Währungsrisiko ist ein elementarer Aspekt, mit dem sich Anleger auskennen müssen, bevor eine Entscheidung getroffen wir. Schließlich wirkt sich ein stark schwankender Wechselkurs gleichermaßen deutlich auf den Gegenwert des Zertifikats aus.

Detail-Analyse offenbart verschiedene Formen von Tracker-Zertifikaten

Wie in nahezu allen Bereichen der Zertifikatbörse(n) existieren auch in diesem Bereich gewisse Sondervarianten, deren Bedingungen gesondert betrachtet werden müssen. Ein Beispiel sind sogenannte Bear-Tracker-Zertifikate, die oft auch als „Shorts“ tituliert werden. Deren Funktionsweise arbeitet entgegengesetzt zum zugrunde liegenden Indexwert. So wächst der Wert des Zertifikats, sofern der Indexkurs sinkt, entsprechend fällt der Zertifikatspreis bei einem steigenden Indexkurs. Diese Zertifikat-Art bietet sich für Händler an, die (zeitnah) mit sinkenden Kursen rechnen. Wie bei „normalen“ Tracker-Zertifikate wird der Kurs der Basiswerte ansonsten auch bei diesen strukturierten Produkten direkt und exakt reproduziert, nur eben andersherum.

Basiswerte für Tracker-Zertifikate können sein:

  • Rohstoffe
  • Devisen (-paare)
  • Indizes
  • Aktien

Andere Underlyings kommen zwar generell ebenfalls infrage, alles über die genannten ist allerdings branchenintern eher selten zu beobachten. Ohnehin sind Aktien besonders beliebte Assets für Anleger, die auf Tracker-Zertifikate vertrauen. Interessant können indes dennoch gerade Zertifikate mit Trackerfunktion sein, bei denen die Instrumente einen ganzen Korb verschiedenster Werte spiegeln. Insgesamt sei erwähnt: Beschränkungen für potentielle Basiswerte gibt es zumindest in der Theorie nicht.

Gezielte Produktanalyse muss immer vor dem Investment stehen

Unerfahrene Anleger haben – wie eingangs kurz angesprochen – mitunter Probleme „Tracker“ von ETF-Modellen zu unterscheiden. Der Umgang mit den möglichen Dividenden hilft Interessenten in vielen Fällen bei der klaren Unterscheidung zwischen einem Tracker-Zertifikat auf der einen und ETFs auf der anderen Seite. ETF-Anleger kommen stets in identischer Form in den Genuss von Dividenden – diese werden sowohl bei Performance- wie Preis-Indizes vom Fondsanbieter in das Vermögen des Fonds eingezahlt.

Eine derart eindeutige Definition der Verwendung von Dividendenleistungen gibt es hingegen nicht bei Produkten aus dem Sektor der Tracker-Zertifikate. Umso genauer sollten Händler in spe prüfen, welche Rahmenbedingungen vom Emittenten im Einzelnen genannt werden. Worum geht es? Um das Hinterfragen, ob es sich bei den Basiswerten des Zertifikats um Preis- oder Performance-Produkt handelt.

Herausgeber können Produkte individuell und flexibel „designen“

Darüber hinaus ist ungeachtet dieser Frage sowieso niemals garantiert, dass die Dividendenausschüttung überhaupt beim Händler ankommt, denn die Herausgeber der Angebote können diesbezüglich frei entscheiden, wie sie vorgehen möchten. Wird die (anteilige) Weiterreichung an den Kunden ausdrücklich ausgeschlossen, ist im Einzelfall mit einem Abschlag bei der Emission zu rechnen, der durchaus identisch mit der Dividendenauszahlung sein kann. Weisen die AGB zu Tracker-Zertifikat nur eine Teilausschüttung aus, erklären Emittenten diese Praxis oft und gerne mit dem bürokratischen Kosten, also als eine Art Management-Entgelt.

Was passiert im Falle einer Emittenten-Pleite?

Wie die vom US-Immobilienmarkt ausgehende Kreditmarktkrise (Stichwort „Subprime“) gezeigt hat, gibt es im Grunde immer gewisse Risiken. So mancher Anleger verlor ab dem Jahr 2006 sein hart erspartes Geld, zum Beispiel durch Zertifikate der aufgrund der Krise in die Insolvenz abgeglittene US-Bank Lehman Brothers. Ähnliche Gefahren sind theoretisch bei Tracker-Emittenten ebenfalls zu berücksichtigen. Das „Emittentenrisiko“ kann durch den Erwerb von Produkten großer Banken zu eigenen Gunsten beeinflusst werden. Der Blick auf die Geschäftszahlen der Emittenten ist also grundsätzlich empfehlenswert – nicht nur bei größeren Investitionen, denn gerade Kleinanleger treffen Verluste infolge einer Herausgeber-Pleite schwer.

Keine Bewertung von Tracker-Produkten als Sondervermögen

Im Übrigen präsentiert sich das Emittentenrisiko betreffend noch ein weiterer Unterschied zu den sonst recht ähnlich gestalteten ETF-Varianten. ETF-Investment sind in Deutsch per Gesetz als Sondervermögen gegen einen Ausfall abgesichert – Grundlage ist das Bundesgesetz über die kollektive Kapitalanlage (KAG), das für alle Fondsmodelle Gültigkeit hat. Tracker-Zertifikate fallen als normale Schuldverschreibungen nicht unter die Sondervermögen-Regelung. Ein Totalverlust kann demzufolge auch dann entstehen, wenn der Kurs des Produkts an sich durchaus gut steht, der Herausgeber aber nicht imstande ist, seinen Auszahlungspflichten nachzukommen. Anbieter haften im Insolvenzfall mit ihrem kompletten Vermögen, wozu auch Einlagen aus der Zertifikatsemission fallen.

stefan

Mein Fazit

Die Chance, durch die Auswahl von Tracker-Zertifikaten auch auf die Entwicklung der Kurse von Basiswerten wie großen Indizes zu spekulieren, die sonst eher nicht „im Budget“ wären, macht die Produkte auch für viele Anleger mit weniger hohem Kontostand interessant. Dass Käufer in diesem Bereich 1 : 1 von der Kursentwicklung profitieren, spricht ebenfalls für die Angebote aus dieser Nische der Zertifikatbörsen. Sonst wäre für diese Art der Gewinnmitnahme ein Direktinvestment erforderlich. Neben Index-Werten dienen auch Aktienwerte vielfach als Grundlager von Tracker-Zertifikaten. Wichtig für Anleger: Sie müssen genau vergleichen, wie Ausgabepreise zustande kommen, also wie genau Emittenten die Angebote gestalten. Darüber hinaus muss die Berücksichtigung möglicher Dividendenleistungen eine Rolle im Vergleich spielen, um so die Produkte ausfindig zu machen, die sich zum Zeitpunkt x am ehesten lohnen. Vergessen werden darf diesbezüglich nicht, dass Händler jederzeit sowohl das Emittentenrisiko als auch das Währungsrisiko im Blick haben müssen.

Autor: Agnes Nitsche