Faktor-Zertifikate

 

Vergleichbar mit vielen anderen Zertifikaten sind Faktor-Zertifikate insofern, weil Anleger auch hier vom Emittenten die Gelegenheit erhalten, auf die Kursentwicklungen an unterschiedlichen Märkten zu spekulieren und dabei von einer Hebelwirkung zu profitieren. Händler können ihren Nutzen diesbezüglich in gleichem Maße aus steigenden wie von sinkenden Kursen ziehen. Anders als bei derivativen Finanzinstrumenten wie etwa Differenzkontrakten (CFDs) können Investoren allerdings nicht selbst bestimmen, wie hoch der Hebel ausfällt. Dieser wird vom Herausgeber definiert, sodass Anleger gezielt nach Produkten Ausschau halten müssen, die zu ihren Vorstellungen den Leverage-Effekt betreffend passen – als Leverage bezeichnet man im Fachjargon bekanntlich die Hebelwirkung. Die Produktvielfalt am Markt wiederum ist so groß, dass jeder Bedarf bedient wird.

Long- und Short-Positionen kommen infrage

Faktor ZertifikateTrägt ein Faktor-Zertifikate den Namenszusatz „Long“, handelt es sich um ein Instrument, bei dem Anleger von steigenden Basiswertkursen profitieren, während „Short“-Produkte für das Eintreten sinkender Kurse einen Gewinn vorsehen. Anders als bei manch anderem Modell an Zertifikat Börsen wird deutlich, dass Faktor-Instrumente generell von einem gleichbleibenden Hebel gekennzeichnet sind. Dies wird vorrangig dadurch erreicht, dass Referenzindex-Werte als Underlying (Basiswerte) dienen – und damit also nicht andere Werte wie Devisen, Rohstoffe oder die sonst so begehrten Einzelaktien. Der Referenzindex wiederum wird von der Bank kalkuliert, die als Herausgeber auftritt. Jede noch so geringe Kursveränderung wird ausschließlich innerhalb dieses Index-Modells abgebildet.

Der Zertifikat-Hebel wird Tag für Tag neu ermittelt

Die Hebelwirkung am jeweiligen Folgetag wird immer wieder neu über den Vortags-Schlusskurs des Index ermittelt. Dies sorgt dafür, dass Emittenten keinerlei Korrekturen der Zertifikat-Basisdaten während der Laufzeit vornehmen müssen. Eine sogenannte Knock-out-Kursschwelle spielt bei Faktor-Zertifikaten keine Rolle, auch der Strike-Preis und die Laufzeit sind bezüglich der Hebelwirkung nebensächlich. Durch die regelmäßige Neuberechnung kann auch eine rückläufige Schwankungsbreite (Volatilität) eher keine massiven negativen Auswirkungen für Händler haben. Auch große Referenzindizes wie der Deutsche Aktienindex (DAX) dienen vielen Herausgebern von Faktor-Zertifikaten als Grundlage für Produkte.

Schaut man sich den Markt an, zeigt sich im Falle von DAX-basierten Produkten, dass es in der Regel bei Long-Werten die Faktoren +2, +4, +6,+8 sowie +10 gibt. Bei Short-Werten sind dieselben Faktor-Werte üblich, natürlich jeweils mit dem Vorzeichen „-“. Basieren Faktor Zertifikate tatsächlich auf bekannten Referenzindizes, werden auch hier die tagesaktuellen Änderungen des Indexwertes in Prozent mit dem entsprechenden Faktor abgebildet.

Ein Beispiel:

Händler x investiert sein Kapital in ein Faktor-4x-Long-Produkt auf den DAX. Nun legt der zugrunde liegende Index während des Börsentages um 1,00 Prozent zu. In diesem Fall würde – mit dem Ziel einer Erhaltung des einmal festgelegten Faktors – der Preis für das Zertifikat um vier Prozent steigen. Die Funktionsweise ist damit offensichtlich. Ein Faktor-2x-Long-Zertifikat würde um 2,00, ein Faktor-6x-Long-Format um 6,00 Prozent steigen.

Schutz gegen Absinken der Hebelwirkung bei Kursabweichungen

Faktor Zertifikate sind ein guter Weg für Anleger, die verhindern möchten, dass die Hebelwirkung umso deutlicher abnimmt, je deutlicher der Preis eines Basiswert von Anfangskurs abweicht, wobei hier die Richtung der Kursentwicklung entscheidend ist. Die Kursveränderung muss sich in die anfangs als bevorzugte Richtung erkennbar werden, damit der Hebeleffekt sinkt. Faktor-Zertifikate kommen ohne eine positive oder negative Veränderung des Hebels aus. Experten sprechen bei diesen Produkten gerne auch von einem „kumulativen Effekt“ - vorausgesetzt, der Kurs entwickelt sich in die richtige Richtung.

In Phasen einer Seitwärtsbewegung mit hoher Volatilität besteht durchaus die Gefahr, dass der Wert eines Faktor Zertifikats sinkt. Selbst wenn das anfängliche Niveaus des Index-Kurses zum Schluss der Phase wieder erreicht werden sollte.

Starke Trends ermöglichen besonders hohe Gewinne

Experten raten Anlegern eher dann zu Faktor-Zertifikaten, wenn sie kurzfristig oder höchstens mittelfristig planen möchten und eine gewisse Risikobereitschaft mitbringen. Wer es sicher mag, ist hier an der falschen Stelle der Zertifikatbörsen gelandet. Je stärker ein aktueller Trend, desto höher fallen potentielle Renditen aus. Und zwar bei passender Entwicklung des Basispreises sogar merklich deutlicher als bei Knock-Out-Zertifikaten, die zu Beginn der Laufzeit einen identisch hohen Hebel vorsehen würden. Vorteilhaft an Faktor-Instrumenten ist nicht zuletzt, dass die Änderungen der täglichen Preise auch ohne umfangreiches Fachwissen sehr einfach analysiert werden können, da die Entwicklungen erfreulich transparent ausfallen. Dass die sogenannte „implizite Volatilität“ (anders als zum Beispiel bei Optionsscheinen) irrelevant ist, spricht aus Sicht vieler Anleger ebenfalls für Faktor-Zertifikate. Faktisch bieten sich die Produkte letztlich gerade auch für Anhänger einer Buy-and-Hold-Strategie als lohnend an.

Wie wird der Schwellenwert der Zertifikate berechnet?

Die Entwicklungen in Phasen mit Seitwärtsbewegungen hingegen sind ein Argument gehen Faktor Zertifikate. Totalverluste werden dadurch vermieden, dass Emittenten die Produkte mit einem besonderen Schutzmechanismus ausstatten. Worum geht es bei dieser Funktion? Je nach Produkt simulieren Anbieter bei Erreichen bzw. Durchbrechen einer gewissen Verlustschwelle zugunsten ihrer Kunden den Beginn eines neuen Handelstags. Im Falle von Faktor-4x-Zertifikaten etwa liegt dieser Schwellenwert bei 12,50 % und bei Faktor-2x-Modellen bei 25 %. Diese Arbeitsweise führt im Grunde schlicht dazu, dass die Verluste der Händler nicht immer weiter steigen.

Stattdessen wird die Grundlage der Kalkulation im Anlegerinteresse „erneuert“ und angepasst. Damit dieses besondere Szenario auftreten kann, muss der Index, der gehebelt als Basis des Faktor-Zertifikates dient, einen Wertverlust in Höhe von 50 Prozent erkennen lassen. Kommt es zur Neuberechnung durch den Herausgeber, wird automatisch der zur Anpassung führende Kurs zur neuen Grundlage – und damit also letzten Endes eben nicht der jeweilige Stand des Indizes. Für die Rechengrundlage bedeutet dies: Sie wird zweigeteilt, genauer halbiert. Hohe Verluste können aber durchaus dennoch auftreten.

Keine Dividenden, dafür gute Chancen für Daytrader

Zinserträge erhalten Anleger nicht beim Handel mit Faktor-Zertifikaten, was für manchen Investor in spe durchaus ein schlagendes Argument gegen einen Kauf sein kann. Auch Ausschüttungen von Dividenden sind ausgeschlossen. Der konstante Hebel an jedem neuen Handelstag, das Höchstmaß an Transparenz, die Bremse für Kursverluste sowie der kumulative Effekt im Falle günstiger Kursveränderungen sind für viele Händler jedoch gute Gründe für einen Einstieg. Zumal auch und gerade im Bereich Daytrading (auch: Intraday) gute Chancen erkennbar werden. Daran ändern auch die Tatsache, dass bei (sehr) volatilen Seitwärtsbewegungen unabhängig von der eigentlichen Wertentwicklung Verluste drohen, wenig. Der Hinweis auf den Intraday-Handel ist indes schon deshalb wichtig, weil im Prinzip nur hier exakte Preisermittlungen für Faktor Zertifikate möglich sind. Ein gewisses Verständnis sollten Anleger bei diesen Angeboten der Zertifikatbörsen für den Bereich der Prozentrechnung mitbringen, um die genauen Hintergründe der Hebelwirkung zu verstehen.