Alpha Zertifikate

 

Alles steht und fällt bei Alpha Zertifikaten mit dem sogenannten „Alpha“. Hinter diesem Begriff verbirgt sich ein wichtiger Vergleichswert, der für Emittenten und Händler die Grundlage für die Kalkulation einer möglichen Kursbeteiligung für Inhaber der Schuldverschreibungen bildet. Als lohnende Basiswerte dienen in den meisten Fälle Produkte aus der Sparte der Index-Werte, darüber hinaus können oft auch Körbe (Stichwort: Basket Zertifikate) mit verschiedenen Aktien Ausgangspunkt für die Entwicklung eines Alpha Zertifikats sein. Sind Indizes Basis für die Produktgestaltung, handelt es sich meist um aktiv gemanagte Modelle. Körbe mit Wertpapieren erlauben eine direktere und bessere Abstimmung auf den jeweiligen Markt – anders als zum Beispiel Indizes wie etwa der Deutsche Aktienindex (DAX), der passiver Art ist.

Performance-Gewinne und Kursanstiege

Alpha zertifikateÜber die Jahre entstanden Alpha Zertifikate zu allen typischen Basiswerten, die in anderen Bereichen der Zertifikat Börsen Standard-Underlyings sind. Gewinne sind bei Alpha Zertifikaten aufgrund ihrer besonderen Funktionsweise generell ebenso bei einer steigenden Kursen wie bei einer positiven Performance realisierbar. Diese Eigenschaft macht die Instrumente natürlich auch und gerade für Anleger interessant, die in jeder Marktphase nach passenden guten und vor allem rentablen Varianten Ausschau halten und nicht einzig und allein bei Kursanstiegen Chancen wahrnehmen möchten. Sie sind bei dieser Art strukturierter Produkte bestens aufgehoben – wenn sie sich zuvor nicht nur mit den Chancen, sondern gerade auch den ohne Frage bestehenden möglichen Risiken in ausreichender Weise auskennen.

Vergleich von Kursen der Basiswerte und Vergleichsindizes

Hintergrund dieser Wertpapiere ist es, als Investor zu profitieren, wenn sich zum Beispiel eine Aktie X oder ein Index Y im direkten Vergleich zu einem anderen Vergleichsindex günstiger entwickelt. Gewinne entstehen immer, wenn der für den Vergleich zugrunde gelegte Vergleichswert schlechter performt als die Aktie bzw. der Index. Eine beliebte Kombination für diese Art „Wettbewerb“ setzt sich aus dem DAX dem US-amerikanischen Index Dow Jones gegenüber zusammen. Eine mitunter sehr gewinnträchtige Kombination ist auch das Spekulieren mit einer Aktie gegen denjenigen Index, in dem sie selbst aktuell gelistet wird. Zeichnet sich für die Aktie eine bessere Entwicklung als beim Index ab, entsteht für den Investor der erhoffte Gewinn.

Vergleich zur „Benchmark“ ist für Gewinne relevant

Das Image der Alpha-Zertifikate hat in den vergangenen Jahren etwas gelitten; nicht zuletzt deshalb, weil mancher Herausgeber scheinbar eher die eigenen Einnahmen als den Nutzen für die Käufer im Sinn hatte. Teils mussten Anleger selbst in Phasen Verluste hinnehmen, in denen sie eigentlich Gewinne realisieren sollten – nämlich in Zeiten sinkender Kurse. Produkte, die sowohl bei fallenden als auch steigenden Kursen zu einem Minus führen, sind freilich nicht unbedingt geeignet. Faktisch sind die Angebote inzwischen sowohl bei den Anlegern als auch bei Herausgebern nicht allzu beliebt. Erstaunlich, wenn man sich anschaut, dass die Angebote aus Sicht vieler Analysten durchaus eine Erfolgsgeschichte hätten erleben können.

Ein Grund ist darin zu sehen, dass Produkte dieser Kategorie mit einer hohen Neutralität dem Markt gegenüber offeriert werden. Absolute Kursanstiege sind dementsprechend nicht wichtig – vielmehr ist es wichtig, dass sich Kurse relativ zum Benchmark-Vergleich im Sinne der Händler entwickeln.

Index-Entwicklung muss im Blick behalten werden

Die Benchmark ist diesbezüglich der zweite Basiswert, also in aller Regel ein anderer Index wie der DAX. Eine der Benchmark gegenüber bessere Kursentwicklung welcher Art auch immer reicht zur Realisierung eines Gewinns. Dafür büßt das Zertifikat an Wert ein, wenn der Basiswert schlechter performt als die zugrunde liegende Benchmark. Ein Auslöser des schlechten Images der Alpha Zertifikate sind die nicht immer idealen Umstände bei der Auswahl der Basiswerte. Der Vergleich von Dividendenindex-Modellen mit einem Standardindex, der mitunter etwas kompliziert und wenig lukrativ für Anleger sein kann, wenngleich Dividendenindizes als solche durchaus Aussicht auf eine gute Kursentwicklung bieten, da diese sich im Regelfall aus Wertpapieren mit starker Dividende zusammensetzen.

Welche Art Index dient als Vergleichsgröße?

Das eigentliche Problem sind vielfach die sehr komplexen Kalkulationen, die Herausgeber in den vertraglichen Details – gerade einen Aspekt müssen Händler vor dem Einstieg prüfen: Nämlich die, ob die verglichenen Indizes Performance-Indizes oder Kursindex-Modelle sind. Denn bei einem marktüblichen, reinen Kurs-Indiz bleiben Dividenden außen vor. Dies bedeutet im Vergleich zu einem ansonsten ähnlich ausgestatteten Performance-Index schnell ein paar Prozent. Dies muss zwar nicht zwingend zu Komplikationen führen, kann aber problematisch werden, wenn diese Differenzen beim Zertifikat-Pricing nicht in der nötigen Art und Weise in die Gestaltung der Produkte eingebunden werden.

Produkte mit „Express-Funktion“ als Alternative

Eine mögliche Reaktion auf diese Unterschiede wird vielfach vor allem bei den sogenannten Alpha-Express-Zertifikaten erkennbar. Hier sehen Herausgeber im Einzelfall einmalige oder sogar tagesaktuelle Korrekturen (in Form einer Herabsetzung) der Sicherheitslevel vor, um den genannten Käufer-Nachteil auszugleichen. Bei sehr hohen Dividenden sind vollständige Ausgleichsleistungen aber oft kaum noch umsetzbar. Seit einigen Jahren bietet der Markt gesonderte Alpha-Zertifikate mit Kapitalgarantie, die Händlern hinsichtlich der Rendite-Aussagen mehr ermöglichen können. Hier kann es beispielsweise dazu kommen, dass Anleger-Kapital zum Ende der Laufzeit eine Verzinsung ohne Gefahren abseits des Emittentenrisikos zugesichert wird, sollte der Zertifikatkurs zum Verfallszeitpunkt an den Zertifikatbörsen unter dem ursprünglichen Ausgabepreis anzutreffen sein.

Alpha-Zertifikate als Möglichkeit zur Depot-Risikostreuung

Diesen Ausgabepreis jedenfalls erhalten Anleger bei einem Alpha-Express-Zertifikat mit Kapitalgarantie allemal zurück. Der Ruf der Alpha-Zertifikate jedenfalls ist derzeit schlechter, als es die Angebote am Markt verdient haben. Wichtig ist lediglich, dass die Begrifflichkeiten klar definiert werden. Vielfach nämlich handelt es sich bei einem Alpha-Zertifikate eher um ein „normales“ Produkt zur Umsetzung einer klassischen Long-/Short-Strategie. In jedem eignen sich die Produkte nicht selten zur Diversifikation des Depots – und zwar in nahezu allen denkbaren Phasen des Marktes. Der Ertrag über das „Alpha“ lässt sich normalerweise sehr einfach berechnen.

Ein Beispiel: Sinkt der Kurs des Vergleichswertes zu 20 % zurück, sinkt der Zertifikatkurs (bzw. des Basiswertes) lediglich um 10 %, bedeutet dies einen Händler-Ertrag in Höhe von 10 %. Gerade dies Marktneutralität ist eine Eigenschaft, die mancher Investor an Alpha Zertifikaten sehr zu schätzen weiß.