Sprint Zertifikate

 

Sprint Zertifikate gehören in die Rubrik der Produkte der Zertifikate Börsen, bei denen Anleger die Chance haben, aus einer Gelegenheit zur Gewinnmitnahme zwei zu machen. Diese Gewinnchancen-Verdopplung kann immer nur in einer bestimmten Kurs- oder Bandbreite vonstattengehen. Im Moment der Zertifikat-Auflage wird zweierlei entschieden. 1. Der Emittent definiert den Basispreis und natürlich den Basiswert. 2. Er stattet das Produkt mit einem Cap aus. Als Basispreis wird im Normalfall der am Emissionstag geltenden Kurs oder wenigstens ein in seinem direkten Umfeld liegender Preis verwendet. Caps bei Sprint Zertifikaten liegen wiederum im Regelfall im Bereich von 15 bis 25 Prozent oberhalb des Basispreises. Über den Basispreis setzt der Emittent also den Anfangs- oder Startpreis für ihre emittierten Zertifikate fest. Der Cap wiederum legt fest, welcher Zielpreis erreicht werden soll, genauer den Endpunkt, bis zu dem Händler doppelt an steigenden Kursen partizipieren.

Mindestens der Basiswertkurs bleibt erhalten

Sprint ZertifikateIm Worst Case eines gesunkenen Basiswertkurses zum Zeitpunkt des Verfalls, würden Käufer schlimmstenfalls den Basiswertkurs realisieren. Steigt der Basiswertkurs (selbst wenn dies nur in geringem Maße passieren mag) über den Cap-Wert, bedeutet dies für Anleger, dass ihnen Emittenten die Differenz zwischen dem Strike-Preis und dem Cap auszahlen – und zwar mit dem Faktor zwei.

Alternative Namen für Sprint-Zertifikate sind auch „Katapult“-, „Double Chance“- oder „Speeder“-Zertifikate. Der Zuspruch bei Anlegern steigt zunehmend, weil sich die positiven Eigenschaften bei Investoren in spe herumgesprochen haben. Wie genau die Produkte aussehen, entscheidet der Herausgeber, der teilweise ein hohes Maß Kreativität an den Tag legt. Die fünf wichtigen Aspekte bei der Produktentwicklungen sind der Basiswert, die Bezugsmenge, der Cap (also der Höchstkurs für die spätere Rendite-Ermittlung), der notwendige Schwellenkurs sowie der Tag der Ausübung.

Im Beispiel sieht ein typisches Sprintzertifikat dies zum Beispiel so aus:

Ein Sprint Zertifikat A hat zum Zeitpunkt B einen Strike Preis von 100 Euro, der Cap wird bei 120 Euro angesetzt. Steigt nun der Kurs des ausgewählten Basiswertes auf einen Kurs von 120 Euro + x (also etwa 125 Euro), partizipiert der Anleger doppelt an der Kursentwicklung. Der Abstand zwischen Strike-Preis und Cap beträgt zu Beginn 20,00 Euro, die Auszahlungssumme läge damit bei 40 Euro, also zweimal 20 Euro. Solange der Kurs des Basiswertes nicht auf einen Wert über 140 klettert, ist das Sprint-Zertifikat einem direkten Investment in den betreffenden Basiswert gegenüber die bessere Partie aus Anlegersicht.

Ihrer Form nach lassen sich Sprint Zertifikate in die Kategorie der sogenannten Outperformance Zertifikate einordnen. Wie bei nahezu allen Zertifikat-Varianten existieren auch im Bereich der Sprint-Angebote verschiedene „Specials“, wie beispielsweise Sprint Protect Zertifikate. Auch Sprint Reserve-Varianten bietet der Markt, bei denen Investoren umgekehrt von sinkenden Kursen profitieren.

Aktien besonders häufig genutzte Basiswerte

Als einer der elementaren Vorzüge der Sprint-Zertifikate ist zu sehen, dass Anleger hier in doppelter Form Gewinne mitnehmen können, ohne automatisch im Gegenzug ein überproportional hohes Risiko eingehen zu müssen. Wie üblich kommen als Basiswerte für Sprint Zertifikate meist Aktien oder Index-Instrumente zum Einsatz. Allerdings ist die Marge, innerhalb der doppelte Renditen winken, klar vorgegeben. Dieser Kursbereich (auch „Bandbreite“) wird fachlich oft als sogenannte „Sprintstrecke“ bezeichnet. In diesem Fenster aber wird jeder gewonnene Euro vom Herausgeber verdoppelt. Der Preis, den Anleger für diesen Extragewinn erreichen, ist die sehr deutliche Vorgabe der maximal erreichbaren Kursgewinne, die Zertifikat-Besitzer mitnehmen können. Emittenten nennen in den Produktinformationen üblicherweise sehr genau, welche Ertragsobergrenze sie für ihre emittierten Zertifikate vorsehen, sodass an Zertifikate Börsen zumindest in diesem Punkt für sehr klare Rahmenbedingungen gesorgt ist.

Auszahlungshöhe im Gewinnfall weitgehend bekannt

Anleger wissen dementsprechend, welche Summen ihnen unter idealen Bedingungen ausgeschüttet werden im Moment der Zertifikatfälligkeit. Gedacht und entwickelt wurden Sprint Zertifikate in erster Linie, um Anlegern in Zeiten eher moderat steigender Marktkurse Chancen zu bieten, also auch dann, wenn die Basiswertkurse nur in überschaubarem Maße zulegen. Zu den wichtigsten Eigenschaften der Sprintzertifikate gehören die festen Laufzeiten. Zum Zeitpunkt der Fälligkeit wird letztlich entweder nur der Startkurs oder der Startkurs samt des verdoppelten Kurszuwachses ausgezahlt. Legt der Basiswert-Kurs um 5,00 % zu, beträgt der Zertifikatgewinn 10,00 %. Der Zielkurs verhindert im Sinne des Emittenten, dass Anleger in unbegrenzter Weise an steigenden Kursen teilhaben.

Dasselbe Risiko wie bei einem direkten Investment

Das Risiko der Sprint Zertifikate als solches entspricht 1 : 1 dem Risiko, dem sich Anleger auch beim Direktinvestment aussetzen würden – allerdings natürlich nur dann, wenn der Ausgabepreis annähernd auf dem Niveau des Basiswertkurses im Augenblick der Herausgabe liegt. Als sogenannte Bandbreitenprodukte sind Sprintzertifikate durchaus ein Format, dass im Interesse einer stärkeren Partizipation im Hinblick auf Kurssteigerungen einen hohen Nutzen für Investoren haben kann. Zumal gerade die Tatsache, dass zumindest der Basiswert an Zertifikat-Besitzer ausgeschüttet wird, sollte der erwartete Anstieg des Kurses ausbleiben. Eine gewisse Rendite wird einteilig ausgezahlt, wenn Basiswertkurse den anfangs festgesetzten Schwellenkurs nur geringfügig in Richtung der Cap steigen.

Ähnlichkeiten mit anderen Zertifikaten durchaus vorhanden

Bleibt der Basiswert hinter Kursschwelle zurück zum Ende der Laufzeit, kann – alternativ zur Auszahlung des Basiswertkurses in eben diesem Moment – auch eine Auslieferung des Basiswertes gemäß dem vereinbarten Bezugsverhältnis vorgenommen werden. Gewisse Parallelen weisen Sprintzertifikate zu einem normalen Discountzertifikat auf. Der deutlichste Unterschied ist die besagte maximale doppelte Gewinnausschüttung. Auf eine teilweise Verlustabsicherung wird im Falle eines Sprintzertifikats verzichtet – dies geschieht ganz zum Wohle der Hebelwirkung. Die Doppelrendite wird möglich, indem Emittenten bei Erreichen der Caps zwei Call-Optionen auf den Basiswert verkaufen und im Gegenzug dazu (durch Einsatz der eingenommenen Prämien) eine zusätzliche Long-Call-Optionen kaufen, deren Strike-Preis auf dem Level des Basiswertkurses angesetzt ist.

Rendite & das Thema implizite Volatilität

Erst dieses Vorgehen erlaubt die Rendite-Verdopplung, was logischerweise einer Partizipationsrate in Höhe von 200 % entspricht. Die implizite Volatilität kann wie bei vielen Zertifikatprodukten zu einem Rückgang der Rendite unter die Marke von 100 % nach sich ziehen, was gerade bei sehr langen verbleibenden Laufzeiten der Fall sein kann. Gemeint sind hier Restlaufzeiten von mindestens 12 Monaten. Ein Vorzug von Sprint Zertifikaten sind auch in den Gelegenheiten zu sehen, die von Seitwärtsbewegungen ausgehen, um so bei einer Stagnation des Basiswertkurses konstante Gewinne zu realisieren. Instrumente mit kurzen Laufzeiten bieten sich an, wenn Anleger von deutlichen Aufwärtsbewegungen ausgehen. Gehe ich als Investoren allerdings von überschaubaren Kursanstiegen aus, sind lange Laufzeiten ein guter Ansatz.