Schmetterlings-Zertifikate (auch Butterfly Zertifikate)

 

Schmetterlings-Zertifikate, Butterfly Zertifikate, Win-Win & Twin-Win Zertifikate – diese vier Begriffe stehen im Grunde für ein und dasselbe Produkte. Genauer gesagt um eine eigene Zertifikat-Familie. Innerhalb der Familie gibt es wie im wahren Leben solche und solche Varianten. Ein verbindendes Element aber ist in der Tatsache zu sehen, dass Anleger flächendeckend vom Emittenten die Gelegenheit erhalten, sowohl an steigenden als auch an sinkenden Kursen am Markt (genauer: beim jeweiligen Basiswert des Schmetterling-Zertifikats) teilzuhaben. In beide Kursrichtungen können Investoren darüber hinaus von einer doppelten Chance profitieren. Dies gelingt über den sogenannten Partizipationsfaktor, der vom Herausgeber sozusagen in Butterfly Zertifikate eingebaut wird. Emittiert werden die Produkte wie die allermeisten Angebote der Zertifikate Börsen von Banken.

Der Partizipationsfaktor sorgt dafür, dass Inhaber der Schuldverschreibungen in überproportionaler Art und Weise Gewinne mitnehmen können, wenn der Kurs des zugrundeliegenden Basiswertes wie erhofft steigt.

Mehrfache Chance zur Gewinnmitnahme

Schmetterlings ZertifikateSollten die Kurse wider Erwarten sinken, werden diese im Fall der Fälle ebenfalls in Gewinne umgewandelt – zumindest in einem gewissen Umfang. Denn Schmetterlings-Zertifikate werden mit einer Kursbarriere, einem sogenannten Protect-Level ausgestattet. Nur wenn diese Kursmarke berührt oder unterschritten wird, werden Händler eins zu eins mit dem Verlust belastet. Bleibt der Kurs oberhalb des Levels, kommt das Kursminus in ein Plus umgemünzt und ebenfalls 1 : 1 dem Handelskonto des Käufers gutgeschrieben. Aus dem Blickwinkel von Analysten bieten Schmetterlings Zertifikate sehr gute bis zum Teil sogar hervorragende Aussichten auf stattliche Gewinne.

Der Grund ist darin zu sehen, dass Angebote in diesem Bereich der Zertifikate Börsen vom Herausgeber die Möglichkeit erhalten, auf die Kursentwicklungen starker Basiswerte zu spekulieren, ohne dabei in jeder Situation ein schlechtes Gefühl wegen regelmäßiger Schwankungen der Kurse haben zu müssen.

Das Verhältnis zwischen Basiswertkursen & Basispreisen

Eben dies erreicht der vorinstallierte Sicherheitslevel, dessen Ausmaß Anleger vor dem Einstieg den Informationsbroschüren der Emittenten entnehmen sollten. Denn die Protect-Schwellen sind durchaus ein wichtiges Vergleichsmerkmal für Anleger, die ihr Geld in Schmetterlings Zertifikate investieren möchten. Wann genau gewinne ich im Idealfall mit einem Butterfly-Zertifikat bares Geld? Die Antwort ist relativ einfach. Steigen oder fallen (zumindest in einem gewissen Umfang) die Basiswertkurse, sind Renditen wahrscheinlich. Allein in Umgebungen von stagnierenden Kursen müssen Investoren auf Verluste vorbereitet sein. Ihren Profit erreichen Schmetterlingzertifikate-Inhaber darüber, dass die Differenz (die betragsmäßige) des jeweils aktuellen Basiswertkurses auf der einen und der zwischen Herausgebern und Investoren festgelegten Basispreises ermittelt wird.

Das Protect-Level in der Analyse zum Zertifikat

Oft erwähnt: die sogenannte „Butterfly-Funktion“, die die Funktion der Produkte dieser Rubrik als Namensgeber maßgeblich beeinflusst. Die Funktion definiert die Untergrenze (also das erwähnte Protect-Level). Verluste entstehen nur, wenn Kurse unter diesen Grenzwert sinken. Geschieht genau dies nur ein einziges Mal, kommt es automatisch zur Deaktivierung der Funktion. Die Konsequenz ist eine lediglich lineare Partizipation der Anleger an der zukünftigen Entwicklung des Basiswertkurses. Die Verluste werden dann 1 : 1 an die Investoren weitergereicht. Der Butterfly-Funktion gegenüber steht der sogenannte „Strike“. Er definiert den Punkt, ab dem Inhaber der Schuldverschreibungen auf überproportionale Art und Weise an Kursanstiegen partizipieren.

Basiswerte, die Ausgangspunkt für Schmetterlings-Zertifikate sein können, sind in den allermeisten Fällen Aktien und Indizes, seit einiger Zeit aber gibt es auch Zertifikate auf Basiswerten von Rohstoffen wie Öl ausgegeben werden. Der eingebaute Hebel, durch den sich Schmetterlings-Zertifikate auszeichnen, kann je nach Produkt und Risikobereitschaft der Anleger unterschiedlich hoch ausfallen.

Jeder Kursanstieg kann positive Signale für Anleger setzen

Die Outperformance beginnt bei diesen Produkten im Prinzip wegen der Hebelwirkung schon in dem Moment, in dem der Basiswertkurs steigt. Hinzu kommt dann, dass der installierte Schutzmechanismus zwischenzeitliche Rückschläge abfedern kann, sollte die Zertifikatbörse gewisse Phasen von Schwächen erkennen lassen. Der Mechanismus greift zum Ende der vereinbarten Zertifikatlaufzeit. Bis zum Grenzwert des Protectlevels werden Verluste zu einem Gewinn. Sofern die Barriere vom Basiswertkurs (kalkuliert wird vom Kursniveau ab der Emission) bis zum Verfallszeitpunkt niemals unterschritten wird, werden Gewinne am Fälligkeitstag ebenfalls 1 : 1 ausgezahlt. Twin-Win Zertifikate sind also deshalb beliebt, weil Händler eben nicht nur bei positiven Kursentwicklungen Renditen erreichen können. Zumindest in einem gewissen Rahmen erlauben auch Kursrückgänge Gewinne.

Wie genau sieht ein typischer Hebel für Schmetterlings-Zertifikate aus?

Ein möglicher Hebel bei Schmetterlingszertifikaten, der sich natürlich auf Kurszuwächse bezieht, könnte bei 1,5 liegen. Sollte der Kurs des Basiswertes unter diesen Bedingungen um 10 % steigen, würde dies zu einem Auszahlungsbetrag von 15 % führen – gemessen an dem besagten Kurs des ausgewählten Basiswertes. In diesem Szenario würde (bei Wahrung des Protect-Levels) ein zehnprozentiger Verlust ebenfalls als Gewinn an die Inhaber der Schuldverschreibungen ausgeschüttet. Je deutlicher die Schutzschwelle vom Ausgangskurs des Basiswertes entfernt liegt, desto sicherer ist das Schmetterlings Zertifikat zwar, jedoch geht dies logischerweise zulasten der maximalen Gewinne, da der Hebel in aller Regel geringer ausfallen wird. Wichtig ist in jedem Fall, dass überhaupt Kursbewegungen auftreten. Denn bleibt der Kurs unverändert, sind Gewinne im Grunde ausgeschlossen.

Wie üblich tragen Investoren auch bei einem Win-Win- oder Twin-Win-Zertifikat (der Begriff der „Twin-Win-Situation“ ergibt sich natürlich aus der doppelten Gewinnchance) das Emittentenrisiko. Kommt es zur Insolvenz der Herausgeber, kann es zu einem Totalverlust für Käufer kommen.

Abwarten bis zum Laufzeitende macht sich bezahlt

Doch auch abseits dieses Risikos ist der definierte Risiko- oder Sicherheitspuffer natürlich nicht gleichbedeutend mit einem garantierten Gewinn für Anleger. Einerseits zeichnet sich manches Butterfly-Zertifikat durch vergleichsweise hohe Ausgabeaufschläge aus, die selbstredend die späteren Renditen negativ beeinflussen. Auf der anderen Seite sollten die zu Beginn genannten Laufzeiten eingehalten werden. Denn obwohl ein außerbörslicher Verkauf durchaus infrage kommt, wird dies – je nach bisheriger Kursentwicklung seit Emission/Kauf – mit Abstrichen beim Gewinn oder höheren Verlusten verbunden sein. Im Ernstfall werden bei schwierigen Phasen sogar nur Preise unterhalb des ursprünglichen Ausgabepreises erreicht. Laufzeiten von einigen Jahren indes sind nicht für jeden Investor die ideale Grundbedingung beim Spekulieren, sodass Schmetterlings Zertifikate unter Umständen aus dem Spektrum der potentiell interessanten Produkte herausfallen.