Regulierung von Zertifikaten

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Regulierungen sind allgemein bei Geldanlagen ein sprichwörtlich „heißes Eisen“; beim Handel mit Zertifikaten sollten Anleger besonders gezielt nach Aussagen in dieser Sache schauen, um zu erkennen, inwieweit ihre Investitionen einem Schutz von staatlicher Seite unterliegen
  • Die Finanzkrise hat inzwischen einige Änderungen der Rechtslage, zumindest aber neue Debatten über den aktuellen Status herbeigeführt
  • Wissen muss jeder Anleger: Ganz gleich, welche Bedingungen für die Regulierung von Zertifikaten gelten, finanzielle Verluste sind von der rechtlichen Absicherung weitgehend ausgenommen.

Was tut der Staat für Käufer von Zertifikaten?

regulierung zertifikateDass der Handel von Zertifikaten – ganz gleich, welcher Art genau diese Produkte sind – mit gewissen Risiken für Trader verbunden ist, wissen die meisten Anleger natürlich. Schließlich weisen die Fachmedien erfreulicherweise nicht allein auf die möglichen Renditen hin. Sie stellen auch die Risiken des Handels ins Zentrum ihrer Beobachtungen. Bei den Brokern selbst jedoch finden sich aufgrund geltender Rechtsvorgaben zwar ebenfalls Risikohinweise. Vor allem aber betonen die Betreiber der Handelsplattformen in aller Regel vorrangig die Chancen. Schließlich geht es darum, möglichst viele neue Kunden zu generieren und diese später möglichst schnell zu Stammkunden zu machen. Der Antwort auf die Frage nach den bestehenden Regulierung von Zertifikaten müssen Trader also oftmals eigenständig auf nachgehen. Verzichten sollten Trader niemals auf die Analyse des aktuellen Status der Emittenten und der Regulierungsbestimmungen. Denn hier erfährt mancher, dass er in weiten Teilen auf sich selbst gestellt ist.

Finanzkrise hat Anleger Fehler aufgezeigt

Gerade in der besagten Zeit nach der Finanzmarktkrise ab dem Jahr 2006 und der Pleite vieler Anleger, die auf Zertifikate der US-Investmentbank Lehman Brothers gesetzt hatten, wäre aus Sicht vieler Kritiker mehr Zurückhaltung von Anlegern logisch gewesen. Auch forderten viele Gegner eines allzu freien Marktes strengere staatliche Auflagen für die Herausgeber der zahllosen verschiedenen Zertifikatmodelle. Die Wirklichkeit jedoch sah zumindest hinsichtlich der Nachfrage von Händlerseite anders aus. Immer häufiger können sich mittlerweile auch normale Privatanleger für den Handel an Zertifikat Börsen begeistern. Über die mögliche Regulierung von Zertifikaten informiert sich dabei längst nicht jeder Interessent. Der Markt wächst konstant, was auch zur Entstehung immer neuer Produkte geführt hat. In der Politik wurden nicht zuletzt im Zuge der Vorbereitungen zur Einführung der sogenannten Abgeltungsteuer Stimmen laut, dies sich für höhere Anforderungen und striktere Regularien für Anbieter von Fonds und die vermeintlich risikobehafteten Zertifikate aussprachen.

Parteien haben unterschiedliche Vorstellungen der Ideallösung

Auffallen wird Lesern von Ratgebern in vielen Fällen sehr schnell, dass nicht allzu passiert ist seit und dass die Lage nicht wesentlich anders aussieht als in der Zeit vor der internationalen Krise, die viele Anleger einen Teil ihrer Ersparnisse kosteten. Allzu viele Veränderungen hat die Große Koalition aus Union und SPD diesbezüglich nicht in die Wege geleitet. Die Folge: Die Regulierung von Zertifikaten und insbesondere geschlossenen Fonds hat sich nicht dramatisch positiv entwickelt. So jedenfalls fällt das Urteil von Verbraucherschützern und Gegnern hochspekulativer Investments aus. Als einen Grund für ihre Bedenken nennen die Zertifikat-Kritiker, dass die hier im Mittelpunkt stehenden Zertifikate anders als klassische Anlageklassen wie Festgeld, Sparkonten und auch Investmentfonds nicht unter die Vorgaben der europäischen Finanzmarktrichtlinie (MiFiD) fallen. Dies wiederum liegt daran, dass Zertifikate generell nicht als Sondervermögen gewertet werden. Hier zeigt sich thematisch eine Parallele zum Thema Einlagenschutz bei Zertifikaten. Einen Insolvenzschutz für den Ernstfall – die Emittentenpleite – gibt es in diesem Fall also nicht.

Emittenten sind zumeist große Bankenhäuser

Schaut man sich in diesem Zusammenhang nun aber an, wer in den allermeisten Fällen als Emittent von Zertifikaten der verschiedenen Varianten verantwortlich zeichnet, kann genau genommen durchaus von einer Regulierung von Zertifikaten gesprochen werden. Allerdings nicht der Produkte selbst, denn Herausgeber haben weitgehende Freiheit, wenn es um die Ausgestaltung ihrer Angebote geht. Renditen, Risiken, Absicherungsmechanismen, Kapitalgarantien und vieles mehr – all diese Faktoren liegen in der Hand des Anbieters. Da jedoch Banken als Emittenten auftreten, existieren letztlich doch einige Vorgaben. So unterliegen Banken in Deutschland der Aufsicht und Regulierung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Bei Angeboten aus dem Ausland müssen Kunden umso genauer hinschauen, welche Regeln und Regulierungen im Einzelfall gelten. Nicht überall steht es um die Vorgaben des Gesetzgebers vergleichbar gut wie in Deutschland.

Kreditwürdigkeit der Anbieter ist ein wichtiges Merkmal für Investoren

Dies ist für Anleger insofern wichtig, weil die Bonität ein maßgeblicher Aspekt für die Produktauswahl durch Käufer in spe ist. Denn die Kreditwürdigkeit ist eine Aussage darüber ist, wie es um die Gefahr eines Ausfalls steht. Eigenkapitalvorgaben und regelmäßige Kontrollen durch die Aufsichtsbehörde(n) sorgen in diesem Zusammenhang für klare Verhältnisse. Die Empfehlungen von Analysten lesen sich eindeutig. Zertifikatanleger und -besitzer sollten sich immer wieder neu über die Ratings der Banken vonseiten der unabhängigen Ratingagenturen informieren. Verändert sich die Bonität erheblich negativ, kann dies für einen vorzeitigen Ausstieg aus einem Investment und damit für den Verkauf an der Zertifikatbörse oder außerbörslich sprechen. Vorsicht walten lassen sollten gerade Investoren, die sich für Zertifikate entscheiden, bei denen lohnende Gewinne erst am Ende der Laufzeit winken.

Einlagen sollten wohl überlegt geplant und geleistet werden

Doch zurück zum eigentlichen Thema Regulierung bei Zertifikaten, die eng mit einer möglichen Haftung verbunden ist. Während es bei geschlossenen Fonds immerhin eine sogenannte Prospekthaftung gibt, lautet das Fazit bei Zertifikaten in aller Regel: Fehlanzeige. Dass dies manchem Anleger eigenartig in puncto Insolvenzschutz erscheint, liegt insbesondere daran, dass etwa die Hälfte des insgesamt investierten Kapitals am Zertifikatmarkt in Garantie-Zertifikate „gesteckt“ wird. Sicherheit scheint den Kunden der Emittenten also durchaus wichtig zu sein. Doch allen Sicherheitswünschen zum Trotz gehen Zertifikate bei Pleite des Herausgebers mit einem vollständigen Kapitalverlust der Anleger einher.

Verbände bemühen sich verstärkt um Sicherheit für Kunden

Ein Argument für die Problematik rund um die Regulierung bei Zertifikaten hat der Deutsche Derivate Verband (DDV) zur Hand, dem unter anderem 18 der führenden Emittenten angehören. So heißt es dort, dass eine strenge Regulierung einer gewissen Kundengruppe zwar helfen mag; andere Kunden aber, die größten Wert auf eigenverantwortliche Entscheidungen bei der Zertifikat-Auswahl legen, würden sich von umfassenden staatlichen Richtlinien unter Umständen eher ihrer Freiheiten beraubt sehen. Stellt ich also die Frage: Welchen Kunden möchte man gerecht werden? Meist werden wohl eher risikofreudige als allzu vorsichtige Kunden bevorzugt von den Emittenten, wenngleich hier nur spekuliert werden kann.

Sparkassen- und Genossenschaftsbank- Kunden erhalten teils besseren Schutz

Bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken im Übrigen kann es teilweise gesonderte Bedingungen bezüglich des Einlagenschutzes und der Regulierung geben. So gibt es verschiedene selbst emittierte Produkte, bei denen im „worst case“ eventuell sogar eine Einlagensicherung greifen kann, Anleger sollten sich in diesem Punkt gezielt an ihre Hausbank wenden. Vor allem aber braucht es den mündigen Anleger, der bereit ist, sich mit den Informationsschreiben der Herausgeber zu den diversen Produkten zu befassen, um zu verstehen, wie die Angebote funktionieren und mit welchen Risiken sie verbunden sind.

Mögliche Rechtsänderungen werden neugierig verfolgt

Zumindest wird dies noch so lange der übliche Weg sein, bis Befürworter einer entsprechenden Korrektur im deutschen Kapitalanlagegesetzbuch ihren Willen bekommen, sodass die Anlageklasse der Zertifikate gleichgestellt wie die ihnen gar nicht unähnliche Klasse der Investmentfonds behandelt wird. Gerade Kleinanleger würden sich über eine solche Novellierung ohne Frage freuen, da sie oftmals von intransparenten Erklärungen überfordert sind, aber dennoch gerne die Chancen an den Zertifikate Börsen und den dort gehandelten Wertpapieren partizipieren würden. Nur eben mit staatlichen Richtlinien hinter sich. Auch dürfen einige Besonderheiten nicht vergessen werden. So gibt es durchaus gewisse Vorgaben, an die heute auch Zertifikat-Herausgeber gebunden sind.

Mehr Sicherheit bedeutet geringere Renditen für Kunden

Hier ist stellvertretend die European Securities and Markets Authority (EMSA) gemeint, die im Deutschen als „Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde“ bezeichnet wird und ihre Arbeit innerhalb Europas Anfang 2011 aufnahm. Die besagte Finanzaufsicht verlangt inzwischen eine neue Einordnung von Zertifikat-Produkten in Risikoklassen, diese Vorgaben werden auf Basis der sogenannten PRIIPs-Regulierung umgesetzt. Die Regulierung in diesem Punkt dient der Ermittlung eines Risikoprofils, das alle relevanten Informationen beinhalten muss. Die Wertermittlung muss im Einzelfall tagesaktuell erfolgen. Die verschiedenen Risikoklassen dienen gerade privaten Anlegern dazu, eine Vorstellung vom Verhältnis zwischen realistischen Renditen und dem mit den Zertifikaten verbundenen Risiken zu erhalten. Ohne derartige Fakten sind Anleger auf sich selbst gestellt. Und selbst Profi-Tradern fällt es mitunter schwer, sich ohne Hintergrundinformationen einen Eindruck von Produkten zu verschaffen. Die goldene Regel, dass die Interessentengruppe umso kleiner ausfällt, je höher das Risiko, bringt Händlern wenig, wenn sie genau von diesem Risiko nur eine sehr vage Vorstellung haben. Zugleich aber gilt, dass mit dem Risiko auch der Aufwand für die Beratung für Emittenten steigt. Das Ziel der EMSA-Vorgaben ist eine transparente und verständliche Risikoanalyse, die für jeden interessierten Anleger gleichermaßen nachvollziehbar ist.

Verbände versuchen, staatlichen Maßnahmen vorzugreifen

Über die genannten Bewertungen hinaus berichten Medien in den vergangenen Jahren darüber, dass viele Emittenten bzw. die entsprechenden Verbände zusehends den Bemühungen des Staates und der BaFin zumindest zuvorkommen, indem sie eigene eigene Maßnahmen ergreifen. Dabei gehen die Zertifikatsemittenten mit ihren Regeln zum Teil sogar über das hinaus, was als Regularien von staatlicher Seite in den kommenden Jahren noch kommen könnte. In erster Linie aber möchten Herausgeber mit ihren für manchen Analysten überraschenden Ambitionen wohl erreicht, dass die zuletzt gesunkene Nachfrage zeitnah wieder steigen wird. Denn das Image der Produkte von ist eben seit der erwähnten „Lehman“-Krise nicht unbedingt das beste.

Strengere Regulierungen sind an der Tagesordnung

Mit einem eigens entwickelten „Fairness Kodex“ trifft die Branche eigene Entscheidungen, die in gewisser Weise einer Regulierung bei Zertifikaten entsprechen bzw. entsprechen sollen, wenn es zur flächendeckenden Umsetzung der geplanten Schritte gekommen sein wird. Bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) jedenfalls stößt der Ansatz auf vergleichsweise großen Zuspruch, weil man das mehrstufige Modell für einen guten Versuch einer angemessenen Selbstregulierung hält. Mitglieder des Deutsche Derivate Verbands können beim Verstoß gegen das Regelwerk sanktioniert werden, in letzter Konsequenz kann sogar ein Ausschluss aus dem Verband drohen, wie es beim DDV heißt. Faktisch profitieren Kunden sogar vom (strengen) Richtlinien-Katalog, da die Konkurrenz unter den Emittenten teils dazu führt, dass man wechselseitig sehr genau hinschaut, ob die Mitbewerber den Kodex auch wirklich wie verlangt einhalten. Ein schöner Nebeneffekt, könnten Anleger aus gutem Grund meinen. Insgesamt aber ziehe man am selben Strang, so die Aussagen des DDV.

Staatliche Aufsichtsbehörden möchten klareres Regelwerk bei Zertifikaten

Die BaFin weiß der Kodex also durchaus als Regulierung bei Zertifikaten zu überzeugen. Eindeutige Rückmeldungen der EMSA indes gibt es bis dato nicht. Hier könnten Anforderungen für den Vertrieb strukturierte Anlageprodukte von Discountzertifikate über Garantie-Zertifikate bis hin zu Sprint- oder Express-Zertifikaten noch strenger ausfallen. Das erklärte Ziel der Instanz ist es, den Handel mit derlei Finanzinstrumenten endlich geordneter ablaufen zu lassen. Und diese europaweiten Maßstäbe fallen durchaus streng aus, weshalb die Lage wohl weiterhin spannend bleiben wird, da Verbraucher- und Anlegerschutz nicht immer optimal mit den Wünschen der Finanzdienstleister in Einklang gebracht werden können. Gerade beim Thema Prophylaxe gegen Schäden auf Seiten der Anleger wird es eher schwierig, eine Einigung zwischen den Vorstellungen der Finanzwächter und der Finanzbrache zu erreichen.

Kunden sollen vor allem über Verlustrisiken informiert werden

Höchste Priorität hat für die Behörde eine ausreichend gute Aufklärungsarbeit, in deren Verlauf Anlegern alle wichtigen Fakten zu Risiken, realistischen Renditen vermittelt und die Anlegerziele berücksichtigt werden muss. Gerade die Spekulations-Kenntnisse potentieller Kunden sollen dabei eine zentrale Rolle spielen. Kurzum: Anleger-Bedürfnisse müssen zum Asset (und andersherum) passen. Dass dies in der Vergangenheit nicht immer gegeben war, hat die Krise eindrucksvoll gezeigt. Schon während der Produktentwicklung und der Preisgestaltung („Bepreisung“) soll die zukünftige Regulierung bei Zertifikaten die Käufer-Interessenten weitaus stärker mit einbinden als früher. Beim Verband DDV ist man der festen Überzeugung, diese Bedingungen schon jetzt zur Grundlage neuer Regularien und Produkte zu machen. Beispielsweise durch die Verwendung branchenintern einheitlicher Fachtermini und Produktklassifizierungen.

Verhaltenskodex dient potentiellen Anlegern als Extraschutz

Gleiches gelte für die Informationsschreiben zu den unterschiedlichen Zertifikat-Angeboten des Marktes. Auch falle die Kostentransparenz (gerade hinsichtlich der Margen) mittlerweile ganz im Sinne der Kundschaft aus, darüber hinaus sieht der Kodex verständliche Aussagen zur Emittenten-Bonität vor. Der aktuelle Fairness Kodex als freiwillige Selbstverpflichtung greift immerhin bei etwa bei 95 % aller Emittenten, die ihre Wertpapiere am deutschen Markt offerieren. Kunden, die im Ausland mit Produkten an Zertifikatbörsen spekulieren, sollten wissen, dass es dort andere Vereinbarungen oder keine vergleichbaren Richtlinien geben kann.

 

stefan

Mein Fazit

Gerade die Regulierung von Zertifikaten sollte bei Anlegern ganz oben auf der Agenda stehen. Denn zwischen Anbietern von Zertifikaten aus Deutschland und dem Ausland kann es einige auffällige Differenzen in diesem Punkt geben. Es ist umso relevanter zu prüfen, wie es im Einzelnen um die exakten Bedingungen steht. Generell aber gilt, dass Verluste in den Risikobereich der Käufer fallen. Der Blick auf die Kreditwürdigkeit der Emittenten ist und bleibt das wichtigste Merkmal, um zu erkennen, wie hoch das Risiko eines wirtschaftlichen Schadens genau zu bewerten ist.

Autor: Agnes Nitsche