Modell 6 – die „One Cancels Other“ Order

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

Spätestens wenn Anleger den Status eines Fortgeschrittenen erreicht haben, werden sie sich nicht mehr einzig und allein mit den klassischen Limit Orders, Stop-Orders oder Market Orders befassen wollen, um ihre Investitionsziele möglichst zuverlässig und schnell zu erreichen. Je höher die Messlatte für den eigenen Erfolg gelegt wird, desto weiter müssen sich Investoren zwangsläufig ins Thema einarbeiten. Die One Cancels Other Order – oder kurz COC – gehört bereits in den Bereich der spezielleren Orderarten für Zertifikate. Wie der Name bereits vermuten lässt, handelt es sich diesem Ordermodell um eine Variante, bei der nicht allein eine Order im Zentrum der Ausführung steht. Genauer gesagt: Im Rahmen der Vorbereitung werden zwei Orders einbezogen, ausgeführt wird jedoch grundsätzlich nur eine der beiden. Schon an dieser Stelle zeigt sich, dass Nutzer in spe bei der Planung der Rahmenbedingungen bei dieser Orderart sehr gewissenhaft planen müssen, welche Orders zueinander passen, um so den Grundstein für den erhofften Gewinn zu legen.

Ordertyp auch für Laien durchaus von Interesse

One Cancels Other OrderDenn nicht alles, was auf den ersten Blick miteinander verknüpfbar scheint, hält einer genauen Überprüfung stand. Die Auswahl von Orderarten, die sozusagen aus zwei verschiedenen Orders bestehen, ist überschaubar, wenngleich seit einigen Jahren konstant neue Varianten von Banken und Brokern entwickelt werden, von denen viele aufgrund ihrer technischen Komplexität vielfach eher professionelle Trader ansprechen, die sich schon länger mit den Funktionsweise des Zertifikathandels auseinandersetzen, um ihre Chancen optimal auszuschöpfen. Die COC-Ordervariante könnte in diesem Zusammenhang in den Bereich der recht einfachen und verständlichen Orderarten für Zertifikate eingeordnet werden. Der Hintergrund des Ansatzes, dass hier stets nach Ausführung einer der beiden Orders die jeweils andere automatisch gelöscht wird. Die zusätzliche Umsetzung des zweiten Orderauftrags ist in diesem Fall generell der Definition entsprechend ausgeschlossen.

Interessant an der Ordervariante:

Händler haben in diesem Szenario die Gelegenheit, auf der einen Seite Verkaufslimits einzurichten und diese ergänzend mit Stop-Loss-Orders zu verknüpfen – genauer: zu kombinieren, denn hier geht es ausdrücklich um die Vorgehensweise nach dem System „entweder … oder … “, ein „sowohl … als auch …“ ist – wie die bisherige Erklärung bereits verdeutlichen kann – von Anfang an nicht vorgesehen. Eine Möglichkeit für den Einsatz einer One Cancels Other Order ist es für Investoren, für einen späteren Zertifikat-Verkauf und das Mitnehmen eines (idealerweise hohen) Gewinns ein Verkaufslimit zu installieren, welches natürlich über dem Kurs des Basiswertes im Augenblick der Auftragserteilung liegen muss. Parallel dazu wird eine andere Stop-Loss Order erstellt, durch deren Einrichtung sich Anleger gegen überraschende und selbstredend nicht erwünschte Rückschläge bei der weiteren Kursentwicklung absichern können. Wird der vom Händler selbst vorgegebene Kurs XY unterschritten, wird durch den Empfänger der Stop Loss Order im Kundenauftrag der Verkauf ausgeführt.

Keine beider Orders hat Vorrang vor der anderen

Wichtig ist es für Händler zu wissen, dass sich die beiden Seiten der One Cancels Other-Order generell zunächst einmal sozusagen gleichberechtigt und gleichwertig gegenüberstehen. Die Entwicklung am Markt entscheidet am Ende, welcher Teil der Kombinationsorder ausgeführt und welcher ohne weitergehende Relevanz automatisiert eliminiert wird. Das Ausführen der Order zieht zwingend die Löschung der anderen nach sich. Im Falle eines Verkaufs auf Basis der OCO-Order erreichen Trader eine Risikobegrenzung durch eine Stop Limit-Order, wobei zugleich eine Limit Order oberhalb des momentanen Kurses eingerichtet wird. Dies führt dazu, dass ein potentieller Gewinn umgehend realisiert wird. Während Händler gegen fallende Preise geschützt sind, erlaubt die automatische Orderausführung Gewinnmitnahmen – ohne dass Investoren ständig die relevanten Kurse an der jeweiligen Zertifikat-Börse kontrollieren und verfolgen müssen.

Wird ein Kauf angestrebt, setzt sich die One Cancels Other-Order bei einem preiswerten Kurs aus einer limitierten Kauf-Order auf der einen und einer Start Buy Limit-Order auf der anderen Seite zusammen. So sichern sich Anleger die Chance, bei weiteren Kursanstiegen von höheren Kurs-Levels am Markt und dem Potenzial des Basiswertes bzw. Zertifikats zu profitieren.

Verschiedene Namen für dieselbe Orderart

Anstelle der Bezeichnung OCO-Order verwenden Händler hierzulande oft und gerne auch den Namen „Alternativ-Order“, eben wegen der Tatsache, dass entweder die erste oder – alternativ – die zweite Order ausgeführt wird, um für eine Löschung der jeweils anderen zu sorgen. Trotz dieser Trennung zwischen zwei Seiten einer Medaille, sind beide Teil-Orders untrennbar miteinander verbunden – nur die spätere Ausführung sorgt für eine Auflösung der Bindung des kombinierten Orderauftrags. Angemessen sind One Cancels Other-Orders beim Handel mit Zertifikat, wenn zwei unterschiedliche Underlyings gemeinsam in einer engen Verbindung/Beziehung stehen. Das Ausführen beider Orders ist bei korrekter Anwendung und Erteilung des Orderauftrags im Grunde ausgeschlossen.

Stefan Böhm
Autor: Stefan Böhm
Ich bin langjähriger Experte auf dem Gebiet Aktien und Zertifikate. Bereits seit den 1980er Jahren nehme ich aktiv mit allen Höhen und Tiefen am Handelsgeschehen teil und kann auf einen enormen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Mein Können konnte ich bereits als Chefredakteur des renommierten Optionsschein-Magazins, sowie bei Neue Aktien Weekly unter Beweis stellen. Zudem bin ich ausgewiesener Fachmann der charttechnischen Analyse, die ich gerne mit fundamentalen Ansätzen kombiniere. Derzeit führe ich zusammen mit meinem Team die Depots von DAX-Vestor und den Rendite-Spezialisten.