Modell 10: die Good-Till-Cancelled-Order

 

Bei vielen Brokern für den Handel von Zertifikaten (sowie den diversen anderen Produkten fürs Trading mit derivaten Instrumenten) taucht im Bereich der Orderzusätze das Kürzel „GTC“ auf. Hinter dieser Abkürzung GTC verbirgt sich der englische Fachterminus „Good-Till-Cancelled“. Diese Variante ist beim Spekulieren an Zertifikatbörsen mit Optionsscheinen die gängige Alternative zur Tagesorder. Andere Namen für diese Order-Ausführung lauten „Order bis auf Widerruf“ oder auch „Open Order“. Ohne eine zeitliche Vorgabe zur Ausführung oder anderslautende Information von Seiten eines Investors werden Zertifikat-Orders vom Broker immer als Tagesorder eingeordnet und entsprechend ausgeführt. Der hier im Mittelpunkt stehende Orderzusatz „GTC“ bedeutet letztlich „nur“, dass ein Orderauftrag so lange im Orderbuch/den Orderbüchern Bestand haben wird, bis ein Anleger seinen Auftrag widerruft.

Order kann jederzeit vom Händler widerrufen werden

die Good Till Cancelled OrderDas zweite mögliche Szenario ist ein solches, in dem es der Broker schafft, die Order unter Einhaltung aller vom Trader definierten Parameter am Markt auszuführen. Der besagte Widerruf kann im Prinzip zu jedem Zeitpunkt formuliert werden – entweder durch den eigentlichen Auftraggeber, also den Kunden, oder durch das ausführende Brokerhaus, über das der Zertifikathandel abgewickelt wird. Die Aussage, dass GTC-Orders an sich eine unbestimmte Gültigkeit haben können, bedeutet indes nicht nicht, dass sie zwingend von Dauer sein müssen. In Umgebungen, in denen Kurse deutlich von den gesetzten Limits abweichen oder bei sehr langem Bestehen von Aufträgen haben es sich viele Broker und Banken zur Aufgabe gemacht, Kunden in mehr oder weniger langen zeitlichen Intervallen um eine erneute Bestätigung der Good-Till-Canceled-Orders zu bitten.

Orders der Art „GTC“ meist mit klarem Horizont

Investoren selbst lassen GTC-Order vielleicht besonders dann streichen, wenn sie sehr viele Orders gleichzeitig im Portfolio verwalten oder – wie schon angesprochen – das Kursniveau zum Zeitpunkt x sehr weit vom eingerichteten Limitpreis entfernt ist. Wer sehr eifrig tradet, sollte immer wieder an die Analyse der bestehenden Positionen denken. Geraten Orders in Vergessenheit, werden sie möglicherweise zu einem Moment ausgeführt, in dem Depotnutzer längst den eigenen Auftrag vergessen haben. Übliche Zeiträume für das Bestehen von GTC-Orders an den Märkten bewegen sich von Ausnahmen abgesehen im Rahmen von drei bis maximal sechs Monaten. Sofern Underlyings aus dem Aktien-Sektor stammen, können GTC-Orders vielfach auch dann automatisch gelöscht werden, sobald Meldungen über neue Kapitalmaßnahmen publik gemacht werden.

Trader können Löschungstermine oft flexibel festlegen

Spätestens kommt es aber infolge einer tatsächlichen Ausführung zur Löschung des Orderauftrags. Eine Kombination mit Stop Orders ist im Falle der GTC-Orders ebenso möglich wie die das Eingehen einer Verbindung mit einer Limitorder. Ausgeschlossen ist ein Mix aus einer Marktorder (eben wegen der direkten Ausführung an Zertifikat Börsen) und GTC-Orders. Unterteilen lassen sich Orders mit dem GTC-Zusatz in verschiedene Varianten. Dazu gehören GTW-Modelle („Good-This-Week“), GTM-Orders („Good-This-Month“) sowie „Good-Till-Date-Orders“. Die Löschung erfolgt den Namen entsprechend am Ende einer Woche, eines Monats oder in dem Augenblick, in dem ein vom Investor festgelegte Datum erreicht wird. Die Festlegung der Ablaufdaten sorgt dafür, dass Broker direkt am Ende der Zeiträume eine Eliminierung vornehmen kann. Allzu viele Broker sehen die Orderzusätze GTW und GTM derzeit nicht vor.

Stefan Böhm
Autor: Stefan Böhm
Ich bin langjähriger Experte auf dem Gebiet Aktien und Zertifikate. Bereits seit den 1980er Jahren nehme ich aktiv mit allen Höhen und Tiefen am Handelsgeschehen teil und kann auf einen enormen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Mein Können konnte ich bereits als Chefredakteur des renommierten Optionsschein-Magazins, sowie bei Neue Aktien Weekly unter Beweis stellen. Zudem bin ich ausgewiesener Fachmann der charttechnischen Analyse, die ich gerne mit fundamentalen Ansätzen kombiniere. Derzeit führe ich zusammen mit meinem Team die Depots von DAX-Vestor und den Rendite-Spezialisten.