Spread und Bezugsverhältnis – Diese Dinge sollten Trader wissen

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Gebühren erwarten Händler auch beim Trading von Zertifikaten. Die Frage hierbei ist in erster Linie, in welchem Moment ich meinen Depotbestand (teilweise) abstoßen sollte, um die bestmögliche Rendite nach Abzug aller anfallenden Entgelte zu realisieren
  • Händler müssen Spreads und Bezugsverhältnisse kennen, um eine Vorstellung davon zu erhalten, unter welchen Bedingungen sie beim Produkt x einsteigen und welche Renditen sie erreichen können im Moment eines Verkaufs
  • Auskennen sollten sich Händler in spe vor dem ersten Investment mit den verschiedenen Varianten des Spreads; denn nur so verstehen sie wirklich, wie Kurse zustande kommen und wie Gewinne/Renditen in der Realität berechnet werden

Spread und Bezugsverhältnis sind vergleichbar wichtig bei der Produktauswahl

spread und bezugsverhaeltnisHändler wird beim Studio eines Trading-Ratgebers im Normalfall sehr schnell einen wesentlichen Erkenntnisgewinn ereilen. Diese Erkenntnis kann in etwa wie folgt formuliert werden: Der Basispreis, die Produktart (also Call oder Put) und der Hebel – sofern es sich um Hebel-Zertifikate handelt – allein sind keine ausreichenden Informationen, um in den Handel einsteigen zu können. Einige andere Basisdaten müssen Anlegern und Investoren ebenso bekannt sein, bevor sie einen Einstieg in Angriff nehmen können. Zumindest wenn sie alle Unwägbarkeiten berücksichtigen und den Grundstein für den eigenen Handelserfolg legen möchten. Die Begriffe Spread und Bezugsverhältnis sind zwei dieser relevanten Faktoren, die einem interessierten Händler ebenfalls bekannt sein müssen.

Denn nur dann können sie überhaupt eine richtige Entscheidung treffen und Produkte ausfindig machen, die zu den Zielen die Renditen und Investitionssummen passen. Nicht jedes Angebot der Börse wird zu jedem Anlegertypus passen, womit eben nicht allein das Risiko des jeweiligen Investments gemeint ist.

Wie viele Einheiten eines Zertifikatinstruments muss ich kaufen?

Gerade das Bezugsverhältnis definiert maßgeblich mit, welches Produkt der Zertifikat Börsen im Vergleich der verschiedenen Produkte von Bonus-Zertifikat über Garantie Zertifikate bis hin zu den besagten Hebelzertifikaten überhaupt von Belang sein kann. Der Spread wiederum ist insofern bedeutsam, weil er großen Einfluss auf die Kosten beim Spekulieren und damit unterm Strich auch die späteren Gewinne und Renditen hat. Die große Mehrheit der Händler, die sich erstmals an das Spekulieren mit „Knock Outs“ wagen, sind mit dem Terminus „Spread“ schon seit ihren Anfängertagen bestens vertraut. Denn der Spread spielt ausnahmslos bei allen Zertifikaten eine zentrale Rolle. Der Spread muss immer im Blick behalten werden, zumal die Emittenten der Zertifikate immer wieder – also nicht allein während der üblichen Handelszeiten der Börsen, sondern auch außerhalb der Börsenzeiten – regelmäßige Aktualisierungen ihrer Produkt-Kurse vornehmen. Diese Kurse beziehen sich sowohl auf einen möglichen Kauf als auch einen Verkauf durch die Investoren.

Der Spread als unverzichtbare Einheit bei der Berechnung

Der Spread taucht stets in Verbindung mit dem sogenannten Geldkurs auf der einen und dem Briefkurs auf der anderen Seite auf. Der Geldkurs bezieht sich auf einen Kauf (also die Preise der zuständigen Emissionshäuser, wenn sie einen Kauf tätigen), der Briefkurs auf den potentiellen Angebotspreis von Seiten der Emittenten. Die erkennbare Differenz zwischen beiden Werten wird im Fachjargon also als Spread (auf Deutsch etwa „Spannweite“ oder „Spanne“) bezeichnet. Grundlage der Spreads sind grundsätzlich die Geld- bzw. Briefkurse, die für die zugrundeliegenden Basiswerte an Börsen oder Terminmärkten zum aktuellen Zeitpunkt Gültigkeit haben. An den Börsen wiederum variieren die Spreads der Basiswerte je nachdem, welche Volatilität und welche Nachfrage beim beobachteten Basiswert erkennbar wird. Auch die Begriffe „Ask“ und „Bid“ müssen im Zusammenhang mit dem Spread bekannt sein.

Anleger, die bis dato keine umfassenden Erfahrungen mit dem Spread sammeln konnten, sollten sich ein wenig Zeit für die Analyse der Gegebenheiten an den Zertifikaten Börsen nehmen, um eine exakte Vorstellung von den wichtigen Rahmenbedingungen zu erhalten. Der Grund: Es existieren verschiedene Spread-Werte, die eine mal mehr und mal weniger wichtige Rolle spielen.

Zu nennen sind hier

  1. der Absolute Spread
  2. der Homogenisierte Spread

Beide Begriffe müssen bekannt sein, damit Trader jederzeit bestmöglich die aktuellen Informationen über den Markt insgesamt oder einzelne Zertifikat-Produkte auswerten und sich zunutze machen können. Die Spreads sind in aller Regel über den Werten vieler anderer Zertifikate angesiedelt.

So unterschiedlich wirken sich Kauf- und Verkaufspreise aus

Gleichermaßen fallen die Differenzen zwischen dem Ask und Bid auch im Vergleich zum direkten Handel der Basiswerte merklich höher aus. Der Vergleich zeigt auch, dass der Direkthandel mit den Basiswerten zum Teil nicht nur günstiger und schneller vonstatten geht, sondern zudem in puncto Effizienz besser sein kann für Händler. Wichtig beim Spread: Fällt dieser größer aus, während zeitgleich der Hebel eher gering angesetzt wird, braucht es eine umso deutlichere Kursentwicklung in die Richtung, auf die Zertifikat-Inhaber spekulieren. Gemeint ist hier die Entwicklung für den Moment, in dem Trader später einen Verkauf (oder im Falle eines anfänglichen Leerverkaufs einen Kauf) mit einem Gewinn realisieren können. Neben dem Spread müssen Investoren außerdem auch mögliche Aufgelder im Blick behalten, die ebenfalls Einfluss auf den Preis und letzten Endes natürlich ebenfalls die Renditen haben. Das Aufgeld allerdings fällt bei Hebel-Zertifikaten nicht unbedingt üppig aus. Zu berücksichtigen ist die Gebühr aber selbstverständlich dennoch.

Die goldene Regel im Hinblick auf den Spread eines Zertifikats lautet:

Um einen Gewinn erreichen zu können, muss der spätere Geldkurs beim Verkauf höher ausfallen als der Briefkurs, zu dem Anleger einen Kauf getätigt haben. Entsprechend bedeutend ist es, Finanzderivate für den Handel auszusuchen, bei denen die Wahrscheinlichkeit hoch zu bewerten ist, dass ein solches Szenario an der Börse und damit vor allem der Zertifikatbörse eintreten wird.

Die Auswirkung des absoluten Spreads beim Zertifikathandel

Der besagte „Absoluter Spread“ ist der die einfache Differenzberechnung zwischen dem Geld- und dem Briefkurs. Diese Kalkulation geht auch Laien denkbar leicht von der Hand. Diese Werte aber können nur dann aussagekräftig sein, wenn das im weiteren Verlauf noch thematisierte Bezugsverhältnis ebenfalls in die Analyse einbezogen wird. Dann aber können Produkte unterschiedlicher Emittenten recht gut miteinander verglichen werden.

Seine Aussagekraft betreffend hat der „Homogenisierte Spread“ für erfahrene Trader zumeist einen höheren Stellenwert. Denn durch ihn wird eine eindeutig bessere Vergleichbarkeit erreicht. Es kommt an dieser Stelle zu einer Umrechnung der Spreads auf jeweils eine komplette Basiswert-Einheit. Mit etwas Erfahrung gelingt selbst diese Berechnung relativ einfach.

Sie sieht folgendermaßen aus:

(Geldkurs – Briefkurs) / Bezugsverhältnis

Eine dritte wichtige Grundlage für die Ermittlung möglicher Gewinnchancen. Die Rede ist hier vom prozentualen Spread bezogen auf den Briefkurs. Dieser Ausgangspunkt ist deshalb relevant, eben weil Trader von kleinen Werten beim Spread umso deutlicher profitieren. Hierzu werfen Investoren vor dem Eröffnen einer Position einen Blick die exakten Daten für den zu bewertenden Optionsschein. So lässt sich genau berechnen, wann der Moment für das Ansteuern der Gewinnzone gekommen ist beim betreffenden Wertpapier. Der Spread ist diesbezüglich für die Analyse eine der elementaren Kennzahlen. Logisch, dass ein möglichst geringer Kurs-Stand dem Anleger zugute kommt.

Der Spread in Prozent ist seinerseits erfreulich einfach zu ermitteln nach der Formel

(absoluter Spread / Briefkurs) x 100

Je geringer die Werte, desto mehr Rendite für Anleger

Geringe Spreads sind aus Sicht eines Investoren vor allem dem regen Konkurrenzkampf zwischen den diversen Emittenten an den Zertifikate Börsen weltweit geschuldet. Denn Knock Out-Produkte und andere Hebel-Zertifikate sind keine einzelne Produkte, die nur von einem einzigen Herausgeber feilgeboten werden. Die birgt Vorteile für Anleger in spe. Insbesondere wenn sie bereit sind, nicht nur bei heimischen Großbanken zu spekulieren, wobei stets das Emittentenrisiko im Hinterkopf behalten werden sollte, denn nicht alle Anbieter sind optimal aufgestellt. So kann eine Insolvenz einen Totalausfall des Einsatzes nach sich ziehen. Über Fachportale wie auch Banken und Broker, bei denen sie ihr Wertpapierdepot führen, finden Anleger zügig eine gute Übersicht interessanter Angebote. Im Kampf um (neue) Kunden sind Herausgeber von Hebel-Produkten oft bereit, sehr enge Spreads zu offerieren.

Fixe Entgelte vs. variable Kosten beim Trading

Präsenzbörsen zeichnen sich vielfach als bester Ausgangspunkt für Trades aus, da Zertifikat-Herausgeber sich in diesem Fall zur Einhaltung gewisser Größen für Positionen wie auch eindeutig Spreads in einem fixen Rahmen verpflichten. So ist für eine besonders gute Transparenz gesorgt. Ein zeitnaher Vergleich eines Zertifikats wird aufgrund der Abweichungen zwischen dem Geld- und Briefkurs normalerweise mit einem Minus einhergehen – schlicht wegen des Unterschieds beider Kurse. Fällt der Spread besonders niedrig aus, sind die Aussichten auf einen zeitnahen Gewinn beim Handel als günstig zu bewerten. Wenigstens bis zum Ausgleich des Spreads zum Zeitpunkt der Order-Ausführung sollten Inhaber der Papiere also warten, falls sie ihr Kapital dringend für andere Zwecke benötigen.

Die Rolle des Bezugsverhältnisses beim Zertifikathandel an sich

Kommen wir nun zum Thema Bezugsverhältnis. Wie haben bereits verstanden, dass Spread und Bezugsverhältnis untrennbar miteinander verknüpft sind beim Zertifikat-Handel. Auch in diesem Bereich erkennen wir frühzeitig, dass Emittenten teils eine recht unterschiedliche Arbeitsweisen und damit abweichende Bedingungen bei ihren Angeboten ansetzen. Gerade deshalb ist die Berechnung des homogenisierten Spreads aus dem professionellen Blickwinkel eines analytisch vorgehenden Investors unverzichtbar. Die Division des Absoluten Spreads durch das vom Herausgeber genannten Bezugsverhältnisses kann kinderleicht mit einem Taschenrechner berechnet werden, um umgehend Entscheidungen treffen zu können. Viele Produkte, bei denen derselbe Basiswert als Grundlage dient, können im Einzelfall sehr deutliche Unterschiede beim Bezugsverhältnis aus dem Vergleich herausstechen.

Ohne eine Kalkulation ist die Vergleichbarkeit schlicht und ergreifend nicht gegeben. Emittenten, die hohe Umsätze generieren möchten, nennen also mit hoher Wahrscheinlichkeit einen höheren Spreads und vielfach auch überdurchschnittlich hohe Finanzierungsentgelte, mit denen sich Anleger ebenfalls auskennen müssen.

Die Ratio im Zentrum des Handels mit Zertifikaten

Das Bezugsverhältnis als solches ist von Bedeutung, weil ein Kauf oder Verkauf eines Optionsschein-Basiswertes meist nicht mit einem einzigen Papier möglich ist. Das Bezugsverhältnis – im internationalen Sprachgebrauch auch „Ratio“ genannt – gibt an, welche Menge der Optionsscheine beim Produkt X erforderlich sind. Das Verhältnis hat auf zwei Weisen angegeben werden. Nennt der Herausgeber eines Hebel-Zertifikats ein Bezugsverhältnis von 10 : 1 bedeutet dies für die Ausübung des gewünschten Bezugsrechts, dass Käufer zehn Scheine erwerben müssen. Also beispielsweise zehn Aktien eines bestimmten Unternehmens. Genannt wird oft auch ein Bezugsverhältnis von 0,1, was eine andere Schreibweise für die identische Tatsache ist. Das Verhältnis ist dabei natürlich nicht allein für den Kauf, sondern ebenso für die Ausübung an sich wichtig.

Auch an dieser Stelle dient ein Exempel der Verdeutlichung:

Die Aktie XY hatte einen Kaufpreis in Höhe von 50 Euro, das Bezugsverhältnis wurde vom Anbieter mit 10 : 1 angegeben. Nun ist der Kurs auf einen Preis von 55 Euro gestiegen. Der Rechenweg für die Ermittlung des Auszahlungsbetrags pro Optionsschein vom Emittenten an den Anleger legt nun die Differenz zwischen dem aktuellen Aktienkurs und dem Basispreis unter Berücksichtigung des Bezugsverhältnisses zugrunde.

Ergo → (aktueller Kurs 55 Euro – Basispreis 50 Euro) x Bezugsverhältnis 0,1 = 0,5 €

Zur Wahrnehmung des Optionsrechts braucht es also den Kauf von zehn Scheinen des Basiswertes. Demzufolge geben andere Bezugsverhältnisse nicht minder eindeutig an, welches Handelsvolumen vom Interessenten verlangt wird. Unter Umständen verzichten Vermittler, Broker oder Emittenten auf die Einheiten-Angabe. Stattdessen wird dann mitgeteilt, welcher Basiswert-Menge ein einzelner erworbener Schein entspricht. Genau hier wird der Hintergrund der Schreibweise „0,1“ offensichtlich.

Auf das richtige Verhältnis kommt es an

Anleger, die sich für Investitionen in Hebel-Produkte auf große Indizes interessieren, werden feststellen, dass hier meist sehr hoch angesetzte Bezugsverhältnisse angesetzt werden. Auf diese Weise sorgen Herausgeber und andere Anbieter dafür, dass auch Investoren mit geringerem Budget aktiv werden können. Hier begegnen Lesern zum Beispiel Werte von 100 : 1, was in der Alternativ-Information einem Bezugsverhältnis von 0,01 entspricht. Diese Angaben sollten beim Anleger aber nicht den Eindruck hinterlassen, dass Produkte besonders preiswert und vergleichsweise wenig riskant sind. In jedem Fall braucht es die Umrechnung in die andere Einheit, um einen objektiven Eindruck des tatsächlichen Preises zu erhalten.

Meine Idealvorstellungen bestimmen die Entscheidung für Zertifikate

Ohne den Spread und das Bezugsverhältnis, das vom Herausgeber in der Produktbeschreibung genannt wird, kommt der Zertifikathandel – und das eben nicht allein beim Spekulieren mit Hebel-Zertifikaten – einem reinen Glücksspiel gleich, bei dem Investoren werden eine präzise Vorstellung der Handelsgebühren, der Gewinnaussichten und der Verlustrisiken haben. Und nochmals sei darauf verwiesen, dass der Vergleich zwischen vermeintlich ähnlich günstigen/teuren Angeboten an Zertifikat Börsen überhaupt erst durch den Spread einerseits und das Bezugsverhältnis auf der anderen Seite ermöglicht wird. Zufallstreffer ohne die exakte Kalkulation sind zwar in der Theorie denkbar.

Jeder Händler findet passende Produkte für seinen Bedarf

In der Praxis aber haben Händler in spe selbstredend ein Interesse daran, ganz genau zu wissen, auf welches Risiko und welchen Mindesteinsatz sie sich einlassen müssen. Und dazu gehören nun einmal auch Finanzierungskosten, die verschiedenen Spread-Varianten und die Bezugsverhältnisse, an denen sie sich beim Trading orientieren müssen, um das eine perfekte Produkt am Markt zu finden. Denn gerade über das Bezugsverhältnis kann recht einfach eine Eingrenzung möglicher Investments in Relation zum verfügbaren Kapital vorgenommen werden.

 

 

stefan

Mein Fazit

Die beiden hier im Mittelpunkt stehenden Begriffe Spread und Bezugsverhältnis sind elementar und sollten jedem Händler bekannt sein, der sich für das Trading von Zertifikaten mit Hebelwirkung (wie auch ohne einen maximalen Hebel) begeistern kann. Denn nur dann ist wirklich verständlich, wie Kurse an Zertifikate Börsen zustande kommen. Auch sind die Termini von größter Bedeutung, um einen Eindruck davon zu erhalten, welche Gewinne auf Trader warten, die in diesem Bereich des Finanzmarktes Geld investieren. Andernfalls drohen unschöne Überraschungen. Und diese sind leider nicht in jedem Fall positiver Natur. Dies ist gerade auch deshalb der Fall, weil verschiedene Emittenten mitunter bei ein und demselben Zertifikat unterschiedene Bezugsverhältnisse ansetzen. Außerdem existieren bei der Berechnung von Kursen mehrere Spread-Einheiten, die sich auf Kursberechnungen und somit letztlich auf Gewinne und Verluste auswirken.

Autor: Agnes Nitsche