Die Orderarten im Einzelnen – so flexibel sind Trader wirklich

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Die allermeisten Broker bieten Kunden zumindest eine Grundauswahl an Orderarten, sodass Zertifikat-Trader wenigstens innerhalb eines gewissen Rahmens die Möglichkeit erhalten, ihre Mindestgewinne festzulegen oder aber maximal vertretbare Verlustgrenzen zu bestimmen
  • Schaut man sich die Vielfalt der Orderarten für den Handel an Zertifikatbörsen eingehend an, erweckt das Resultat den Anschein, Händlern könnten auf jede erdenkliche Situation und Kursentwicklung risikofrei vorbereiten → immerhin können Risiken und Gewinne individuell in einem gewissen Rahmen abgesichert werden
  • Unverzichtbar ist der Hinweis, dass auch der Einsatz verschiedenster Orderarten niemals eine endgültige Garantie dafür sein kann, Transaktionen tatsächlich zu den gewünschten Kurse ausführen zu lassen; diesbezüglich ist der Markt in vielen Bereichen schlicht und ergreifend zu schwankungsanfällig (volatil)

Auswahl an Orderarten variiert zwischen den diversen Handelsanbietern

Die Orderarten im EinzelnenEmittenten und Banken erweiterten in den vergangenen Jahren konsequent ihren Service, um Anlegern so einen möglichst großen Mehrwert für den Handel mit Hebelzertifikaten zu bieten. Nicht zuletzt waren und sind Wünsche von Investoren (auch von Privatanlegern) der Ausgangspunkt von Neuheiten im Bereich der Orderarten bei Zertifikaten. Dabei unterscheiden sich die Leistungen zwischen Kauf- und Verkaufsaufträgen zum Teil recht deutlich voneinander, was den verschiedenen Funktionsweisen der Orderarten geschuldet ist. Vor allem Limitorders haben für viele Anleger einen hohen Stellenwert, wobei sie nur eine von vielen Möglichkeiten zur Individualisierung der Orders an Zertifikate Börsen sind. Kunden können inzwischen in vielerlei Hinsicht definieren, welche Preise für welches Produkt für einen Ein- und Ausstieg infrage kommen.

Zu nennen sind hier zum Beispiel „Billigst“-Orders, bei denen vom Kunden festgelegt wird, zu welchem Preis sie einen Kauf ausführen lassen möchten. Die Analogie bei einem Verkaufsauftrag ist die Variante der „Bestens“-Order, bei der Inhaber von Zertifikaten mit Hebelwirkung bestimmen, zu welchem Preis ihre Produkte verkauft werden sollen.

Erst überlegen, dann Orders vom Anbieter ausführen lassen

Handelsaufträge ohne Limit bergen aus Anlegersicht stets das Risiko eines Kaufs oder Verkaufsauftrags zu einem Kurs, der deutlich vom Wunschpreis abweicht – entweder können Kurse hier mehr oder weniger deutlich über oder unter dem erhofften Preis liegen. Durch das Festlegen von Kursschwellen kann dieses Risiko deutlich minimiert werden. Ein Restrisiko bleibt jedoch erhalten, da möglicherweise nicht jede Orderausführung zustande kommt während der Zertifikat-Gültigkeit. Diese Gefahr nehmen viele Kunden vor dem Hintergrund der Risikobegrenzung jedoch gerne in Kauf.

Viele der im Folgenden präsentierten Orderarten für den Zertifikathandel können per Definition als eine Art „Notbremse“ oder Sicherheitsmarkierung eingeordnet werden – wie gesagt: entweder zwecks Risikobegrenzung oder mit dem Ziel einer Gewinnmitnahme.

Modell 1: die Market Order

Der Grund für die Voranstellung der typischen Market-Orders ist darin zu sehen, dass wir diese genau genommen schon teilweise thematisiert haben. Denn es geht um die Begriffe „Billigst“ auf der einen und „Bestens“ auf der anderen Seite. Händler erteilen Brokern und Banken, bei denen sie ihr Handelskonto führen, den Auftrag, einen Kauf zum günstigsten Preis durchzuführen, der im Augenblick der Auftragserteilung bei Anbietern am Markt bzw. dem jeweiligen Handelsplatz erhältlich ist. „Bestens“ hingegen bezieht sich auf einen Verkauf zum bestmöglichen, also höchsten Kurs, der Käufer an einem Handelsplatz zu zahlen bereit sind. Beide Varianten einer Market Order eignen sich in erster Linie für Anleger, die weder einen Höchst-Kaufpreis noch einen Mindest-Verkaufspreis als Limit installieren möchten, sondern auf eine sofortige Umsetzung ihrer Orders abzielen. Dies kann möglicherweise dann der Fall sein, weil zeitnah Kapital für andere Zwecke benötigt wird.

Keine garantierten Verkaufspreise durch die Orderart

Soll eine Order unbedingt ausgeführt werden, ist diese Variante der Orderarten beim Zertifikathandel die richtige Wahl. Manchmal muss es eben schnell gehen. Dafür müssen Kunden mit dem Ergebnis Vorlieb nehmen, das ihr Anbieter für sie am Markt im betreffenden Moment realisieren kann. Dabei können Szenarien auftreten, in denen deutliche Abweichungen zwischen dem tatsächlichen Ausführungspreis und dem Kurs auftreten, der bei Aufrufen des Formulars für Orders genannt wurde. Positiv wie negativ. Die umgehende Ausführung birgt also durchaus gleichermaßen Chancen und Risiken – auch und gerade beim Handel mit Hebelzertifikaten, die je nach Ausmaß der installierten Hebel aus dem eigenen Einsatz der Anleger ein Vielfaches an Investitionskapital machen.

Die Handelsanbieter warten in diesem Fall nicht, bis sich die Kurse zugunsten ihrer Kunden entwickeln, sondern setzen Aufträge direkt um, ganz gleich, wie die Marktlage dann aussieht. Diese Orderart der Market Order ist also im Prinzip die einfachste, zugleich aber nicht ohne Risiko. Typischerweise sieht eine Marktorder ohne Limitierung so aus, dass Anleger ihrer Bank oder ihrem Broker ein Kaufdatum für einen bestimmten Terminkontrakt übermitteln und genau angeben, welche Menge des Produkts genau erworben oder verkauft werden soll. Jede den geltenden Marktregeln entsprechende Order muss umgehend ausgeführt werden. Händler müssen dementsprechend genau planen, um bei der Auftragserteilung keine fehlerhaften Daten einzugeben.

Modell 2: die Stop-Loss Order

Wer als Trader verhindern möchte, dass Verluste allzu deutlich aus dem Ruder laufen, wenn es an der Zeit und der Möglichkeit für das vorzeitige manuelle Schließen von Positionen fehlt, wird sich in vielen Fällen auf die sogenannte Stop-Loss Order verlassen. Sie erlaubt das Einrichten einer Kursmarke, bei deren Erreichen eine Verkaufsorder automatisch unter den vom Trader vorgegebenen Bedingungen ausgeführt wird. Die Aktivierung der Order erfolgt, wenn das gewünschte Kursniveau erreicht wird oder der Kurs sogar unter diesen Schwellenwert fällt.

Dabei sollten sich Anleger beim Handel mit Hebelzertifikaten und bei dieser einen von vielen Orderarten bei Zertifikaten vor Augen führen, dass der Kurs nur der Order-Aktivierung dient. Eine Garantie, dass die Ausführung zu eben diesem Preis vonstatten gehen wird, gibt es für Kunden nicht. Vielmehr kommt es zum Verkauf zum nächstmöglichen Kurs – nach dem schon präsentierten Ansatz „bestens“. Dieser Kurs kann über oder unter dem Stop-Loss Wert liegen, theoretisch aber genau diesem Kurs entsprechen, sollte sich der Basiswertkurs auf diesem Niveau stabilisiert haben.

Modell 3: die Stop-Buy Order

Diese Orderart ist ihrem Konzept nach genau genommen das Gegenstück zur zuvor vorgestellten Stop-Loss Order. Nur dass es in diesem speziellen Fall also bei Erreichen der Kursmarke zu einem Kauf statt zu einem Verkauf kommt. Auch bei der Stop-Buy Order ist es denkbar, dass letzten Endes ähnlich einer unlimitierten Order eine eindeutig abweichender Kurs erreicht wird im Moment der erfolgreichen Ausführung. Wir haben also erkannt, dass es sich bei dieser Orderart grundsätzlich erst einmal um einen Auftrag zum Kauf handelt. Anstelle des „Bestens“-Kurses tritt in diesem Bereich die „Billigstens“-Ausführung im Kundenauftrag. Anleger sollten sich trotz des großen Nutzen dieser Variante sehr genau überlegen, welchen Kurswert sie ansetzen, um eine automatische Ausführung in Auftrag zu geben. Denn der Börsenkurs, zu dem die Order ausgeführt wird, kann im Ernstfall auch weit entfernt vom definierten Kursziel liegt.

Einsteiger sollten wissen, wie die Orderart genau funktioniert

Anfänger zeigen sich von der Namensgebung dieser Orderart mitunter etwas verwirrt. Denn der Name als solcher könnte darauf schließen lassen, dass es hierbei eigentlich eher um eine Start-Buy Order handelt. Insgesamt eignet sich die Stop-Buy Order unter anderem, um wichtige Kursmarken der Charttechnik hinter sich lassen zu können. Hierzulande werden Orders dieses Formats auch als „Kauf-Stopp-Order“ in den Übersichtslisten zu den verschiedenen Orderarten auch als Kauf-Stopp-Order aufgeführt. Sie erweisen sich insbesondere im Rahmen einer Buchgewinn-Absicherung bei Short-Positionen (also Leerverkauf-Trades) als guter Weg zum Erfolg. Auch zur Verlustbegrenzung im Falle in Ausführung befindlicher, aber noch nicht „eingedeckter“ Verkaufs-Orders macht sich die Stop-Buy Order vielfach für ihre Anwender bezahlt.

Modell 4: die Trailing Stop-Order

Diese Order lässt sich eindeutig den Stopp Orders zuordnen, von denen es eine ganze Reihe verschiedener Ansätze gibt, mit denen Händler Zertifikate unterschiedliche Ziele verfolgen können. Geläufig ist aus diesem Grund auch der Begriff der „Trailing Stop-Loss-Order“. Im eigentlichen Sinn handelt es sich um eine marktübliche Stop-Loss Order. Nur mit einem elementaren Unterschied, mit dem sich interessierte Trader vor dem ersten Einsatz auskennen sollten. Sofern der Kurs des jeweiligen Basiswertes des Optionsscheins steigt, bleibt es nicht mit anfangs definierten Stop Loss-Kurs. Stattdessen wird automatisiert eine Anhebung des Kursniveaus vorgenommen. In welchem Umfang dies erfolgt, entscheidet der Händler selbst – entweder als absoluten Wert oder in Form einer Prozentangabe.

Die Anpassung erfolgt selbstverständlich mit der Aufwärtsbewegung des Kurses. Das Ziel einer Trailing Stop-Order ist es, bereits verbuchte Buchgewinne gegen einen Verlust abzusichern.

Verschiebung der Kursmarken kein 100-prozentiger Verlustschutz

Jedoch erspart sich der Händler dabei die konstante Kontrolle der Entwicklungen am Markt und entsprechende eigenständige Maßnahmen, eben weil die Anpassung in automatisierter Weise von der Bank oder dem Broker des Anlegers durchgeführt wird. Potentielle Verluste durch Kursrückgänge werden in diesem Fall also durch das Nachziehen der Stop Loss-Marken begrenzt. Ein Gewinnlimit gibt es bei Kursanstiegen durch das „Aufrücken“ der Stop Loss-Kurse nach oben im Prinzip nicht. Gänzlich ohne negative Eigenschaften kommt auch diese Orderart indes nicht aus. So kann es zu Situationen kommen, in denen reale erforderliche Maßnahmen im markttechnischen Zusammenhang bei einer Trailing Stop-Order zu kurz kommen oder vollends auf der Strecke bleiben. Faktisch ist es so, dass viele Börsen Trailing Stopp-Orders nicht für den Handel von Optionen zulassen.

In unklaren Märkten fällt die Festlegung mitunter schwer

Die übliche Abkürzung für diese Orderart ist TSO. Anleger, die normalerweise auf die klassische Stop-Loss Order setzen, können mit der Trailing Stop Order beim Handel an Zertifikate Börsen dafür sorgen, dass das Verlustrisiko merklich begrenzt wird. Insbesondere, wenn es zu „heißen Phasen“ und Kursrallyes bei einzelnen Wertpapieren oder Marktbereichen kommt. Das automatische Nachrücken des Stop-Kurses vereinfacht den Handel in diesem Umfeld eindrucksvoll.

Modell 5: die Stop Limitorder

Limitorders sind als Orderarten allgemein begehrt beim Zertifikathandel – nicht allein bei Profis. Jedoch eignet sich keineswegs jede Variante für jeden Basiswert und jede Situation am Markt, den Zertifikatbörsen und außerbörslichen Handelsplätzen, an denen Garantie-Zertifikate, Zertifikate mit Hebelwirkung und andere Optionsschein-Modelle ebenfalls ge- und verkauft werden können. Die Stop Limit Order ist letztlich eine Kombination aus einer normalen Stop Order auf der einen und einer Limit Order auf der anderen Seite. Sie wird im Fachjargon als „SLO“ abgekürzt. Dieses Format gehört im Grunde zu den neueren Orderarten, die bei Anbietern erst nach und nach ins Portfolio aufgenommen wurde. Etliche Handelsplattformen und Dienstleister für den Zertifikathandel verzichten noch immer auf die Einbeziehung dieser bei Händlern begehrten Orderart. Der wichtigste Hinweis auf die Funktionsweise steckt bereits im Namen.

Kursmarken müssen dem Anlageziel entsprechend definiert werden

So handelt es sich zwar um eine Stop-Order; jedoch mit dem Unterschied, dass in diesem Fall nicht unmittelbar dann ein Verkauf ohne Limit in die Wege geleitet wird, sobald der eingerichtete Stoppkurs erreicht wird. Der Grund: Neben dem Stoppkurs wird vom Anleger für das gehandelte Wertpapier ein zusätzliches Limit installiert. Der Verkauf des Papiers kommt erst zustande, wenn dieses Limit vom Kurs nicht unterschritten wird. Eben deshalb spricht man hier auch von einer kombinierten Orderart. Unklar ist aus Händlersicht allerdings, ob der erhoffte Kurs des Limits während der Haltezeit erreicht wird. Einen dramatischen Absturz des Kurses aber umgehen Händler hierbei dennoch. Wird der Limitpreis nicht berührt oder unterschritten, kann es dazu kommen, dass die betreffenden Papiere für eine relativ lange Zeitspanne Bestandteil des persönlichen Depots bleiben. Branchenkenner warnen vor allem Anfänger mitunter vor der Anwendung einer Stopp-Limit Order.

 

 

stefan

Mein Fazit

Der Grund ist darin zu sehen, dass Orders dieser Art im Anschluss an ihre Aktivierung bis zum Erreichen des selbst definierten Limits im Auftragsbuch gelistet werden – und dort auch zur planmäßigen Ausführung verbleiben. Zwischen einem limitierten und unlimitierten Verkauf sollten Händler an Zertifikatbörsen also sehr bewusst abwägen. Im Zweifelsfall kann eine Verkauf ohne Limit trotz des Risikos, auf einen Gewinn (zumindest vorerst) verzichten zu müssen, die bessere Alternative sein. Im Moment ihrer Aktivierung werden Stop-Limit Orders zu einer Limitorder statt zu einer Market Order, wie dies viele Anfänger vielfach zunächst vermuten. Gezieltes Vorgehen braucht es hier insbesondere mit Blick auf das Ansetzen der Grenzen des Limits. Durch deren Installation legen Händler schließlich selbst fest, innerhalb welches Kursrahmens sie eine Ausführung wünschen und Gewinne realisieren können.

Autor: Agnes Nitsche