Risikolos anlegen – geht das? Produkte wie Kapitalschutz-Zertifikate machen es möglich

 

Wenig Zeit? Kurz-Zusammenfassung

  • Zertifikate gelten vielen Anlegern ohne umfangreichen Erfahrungsschatz an Zertifikatbörsen nach wie als riskante Finanzprodukte; vergessen wird dabei nur allzu gerne, dass es zum Beispiel mit Kapitalschutz-Zertifikaten Angebote gibt, um Risiken sehr deutlich zu begrenzen
  • Ein Löwenanteil der Zertifikate mit Kapitalschutz stammt aus dem Indexbereich; Anleger müssen sich dabei heute nicht ausschließlich auf Underlyings (Basiswerte) des heimisches Marktes oder dem europäischen Ausland konzentrieren, denn auch Asiens Märkte und die Zertifikat Börsen der USA bergen zahllose Chancen für den Handel ohne allzu hohes Risiko
  • Wie in allen Sparten des Zertifikathandels sollten sich Anleger von Anfang an mit den typischen Rahmenbedingungen wie dem Emissionspreis, den Gebühren, der Laufzeit und anderen Kriterien befassen. Denn nur so können interessante Angebote aus der Masse der (Kapitalschutz-) Zertifikate herausgefiltert werden.

risikolos anlegen

Es liegt absolut nahe und zudem in der Natur der Sache, dass sowohl Anfänger, Fortgeschrittene und auch Profis im Zertifikat Handel eine möglichst hohe Rendite mit geringem Risiko eines Verlusts anstreben. Der Idealfall wäre selbstredend vollkommen risikoloses Spekulieren, auch wenn dies gerade bei hohen Gewinnzielen alles andere als wahrscheinlich ist. Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, braucht es kein über Jahre angeeignetes Expertenwissen. Je höher die angestrebte Rendite, desto unwahrscheinlicher ist es aus verständlichen Gründen, dass Händler ganz ohne Risiko Gewinne realisieren können. Das große Aber: Wer risikolos anlegen möchte, tut gut daran, sich im Bereich der Zertifikate Strategie nach so genannten Kapitalschutzzertifikaten umzusehen. Gerade in Zeiten sinkender Kurse (sieht einmal von Händler, die auf den Gegentrendhandel setzen möchten) nimmt das Sicherheitsbedürfnis vieler Investoren am Markt zu. Schwere Zeiten und Gewinne ohne extreme Risiken – diese beiden Punkte schließen sich dank der Kapitalschutz-Papiere nicht zwingend aus.

Gerade Index-Werte sind oftmals Basis für Kapitalgarantie-Zertifikate

Auch wenn es noch andere Angebote mit hohem Sicherheitsanspruch gibt, sind Zertifikate mit Kapitalgarantie in Form der Kapitalschutz-Zertifikate in diesem Zusammenhang für sicherheitsliebende Anleger zu Recht eine der begehrtesten Produktvarianten. Angeboten werden die Produkte oft auf wichtige internationale Indizes wie den Deutschen Aktienindex (DAX), den EuroStoxx50 und andere Werte, doch auch Rohstoffe wie Öl oder Aktien aus verschiedenen Börsennischen sind bei Zertifikat-Emittenten oft genutzte Basiswerte. Der Handel mit limitiertem Verlustrisiko aber verlangt Investoren bei der Produktsuche einiges ab, denn bis dato hält sich die Auswahl im Vergleich mit anderen Zertifikaten und Optionsscheinen doch eher in Grenzen. Aber es gibt sie, die Instrumenten für das Trading mit überschaubarem Risiko. Indes darf der Begriff „risikolos“ nicht überbewertet werden.

Denn zum einen zeichnen sich Kapitalschutz-Zertifikate ihrerseits zumindest durch ein geringes Verlustrisiko aus; zum anderen müssen sich Anleger auch hier für die Entwicklungen am Kapitalmarkt interessieren, um geeignete Produkte zu finden. Achten müssen Anleger darauf, welche Auszahlungsquoten Emittenten für die Abwicklung am Ende der Laufzeit nennen. Denn in diesem Punkt gibt es je nach Herausgeber doch recht deutliche Unterschiede.

Limits für Gewinne sind vielerorts nicht erkennbar

Geworben wird von den Anbietern gerne mit dem Verlustlimit auf der einen Seite und dem schier grenzenlosen Gewinnpotenzial auf der anderen Seite. Variieren können außerdem die Laufzeiten, mit denen die vermeintlich risikofreien Zertifikate mit Kapitalschutz ausgegeben werden. Abweichungen zeigen sich des Weiteren beim Partizipationsfaktor, der angibt, in welchem Umfang Zertifikat-Besitzer von möglicherweise steigenden Kursen der Basiswerte profitieren. Die Verlustabsicherung und garantierte Auszahlungsquote führt bei den Produkten oftmals dafür, dass der Partizipationsfaktor mehr oder weniger deutlich unter 100 Prozent angesiedelt ist. Diesen Preis aber sind Anleger angesichts des Absicherungsmechanismus meist gerne bereit zu zahlen. Die garantierten Auszahlungsbeträge ergeben auf den Kaufpreis bezogen den faktischen maximalen Verlust.

In welcher Form partizipieren Anleger im Einzelnen?

Erwirbt ein Händler das Produkt zu einem Kaufpreis von 106,00 Euro und sieht der Emittent eine garantierte Auszahlungssumme in Höhe von 100,00 Euro vor, liegt der maximale Verlust bei 6,00 Euro pro Zertifikat. Typische Laufzeiten bewegen sich im Rahmen von einigen Jahren. Partizipationsfaktor und Maximalverlust stehen in aller Regel in Relation zueinander. Will heißen: Bei einem höheren Partizipationsfaktor wird der maximale Verlust höher ausfallen bzw. die garantierte Auszahlungssumme niedriger. Andersherum geht ein besonders hoher Garantiebetrag für Auszahlungen bei Laufzeitende zumeist mit geringeren Partizipationsfaktoren der Zertifikate einher.

Emittenten zahlen teilweise den kompletten Emissionspreis zurück

Die Vermutung, dass der Wunsch risikolos anlegen zu wollen und dabei auf Produkte wie Kapitalschutz-Zertifikate setzen zu wollen, nur bei Anfängern aufkommt, ist nur bedingt korrekt. Zwar sind es in vielen Fällen wirklich Einsteiger, die auf einen starken Anstieg des Basiswertkurses ausgehen. Doch auch fortgeschrittene und professionelle bevorzugen diese Produkte je nach Marktlage und Risikobereitschaft. Wer sein Risiko gering halten und die Verlustgefahren im Portfolio streuen möchte, sollte sich ebenfalls eingehender mit Kapitalschutz-Zertifikaten befassen. Experten gehen davon aus, dass ein Fünftel bis ein Viertel der in Deutschland erworbenen Zertifikate aus der Sparte der Kapitalschutzzertifikate stammen.

Ihren Nutzen entfalten die Produkte unter professionellen Gesichtspunkten gerade in schwierigen Phasen, in denen strukturierte Angebote der Zertifikate Börsen dafür Sorge tragen können, dass Anleger wenigstens einen stattlichen Anteil ihres Einsatzes zurückerhalten – selbst wenn die Kurse kollabieren sollten. Bei gezielter Auswahl wird der erbrachte Emissionspreis sogar zu 100 % erstattet am Ende der Laufzeit.

Höhe der Rückzahlung muss strategisch berücksichtigt werden

Die genauen Bedingungen für den Kauf und die Abwicklung entscheiden darüber, in welche Kapitalschutzzertifikate es sich Geld risikolos anzulegen lohnt. Über die Jahre entstanden an den nationalen und internationalen Zertifikatbörsen vielfältige neue Papiere, die sich hinsichtlich der Rückzahlungshöhe, der Auszahlungsrelation zum Emissionspreis und anderer Eigenschaften unterscheiden. „Klassiker“ dieser Marktsparte locken gerne damit, dass unter idealen Umständen der volle Gewinn ausgeschüttet wird, während der Einsatz zu 100 Prozent zurückgezahlt wird, sollte der Kurs dramatisch sinken. Bei einem solchen Szenario sollten Anleger in spe insbesondere auf die anfallenden Gebühren achten, denn risikoloses anlegen und maximale Erträge gibt es am Markt selbstverständlich nicht völlig kostenlos. Preise von 100 Euro sind auch bei Kapitalschutz-Zertifikaten typisch.

Gebühren & Emissionsaufschläge reduzieren potentiell die Gewinne

Die Risikofreiheit darf in diesem Kontext letzten Endes nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in diesem Umfeld an Zertifikate Börsen auch Nachteile gibt, die nicht verschwiegen werden sollen. Das Dilemma: Sinken die Kurse, gibt es schlichtweg keinen Gewinn. Im worst case kann es dazu kommen, dass sich selbst eine wirklich schlechte Verzinsung auf dem normalen Sparbuch eher gelohnt hätte als ein fünfjähriges Investment in Kapitalschutz-Zertifikate, weil die Kurse unerwartet gefallen sind. Und die Kaufkosten werden so oder so fällig. Gleiches gilt für die üblichen Ausgabeaufschlägen, die üblicherweise bei bis zu 2,00 % liegen können. Auch inflationsbedingte Kosten sind zu berücksichtigen, gleiches gilt für Courtagen. Auch Managementgebühren werden vielerorts berechnet.

Kapitalschutz-Produkte eher für langfristig arbeitende Händler interessant

Der Grund für Investitionen in Zertifikate mit Kapitalschutz ist für viele Händler aber nicht allein die Chance, Erspartes risikolos anlegen zu können, so vorteilhaft dies auch ist. Oft wird als Argument für Kapitalschutz-Zertifikate genannt, dass bei einer Trendwende und einem daraus resultierenden Anstieg der Basiswert-Kurse an der Börse eine besonders gute Partizipation ermöglicht wird. Hierzu sei wertungsfrei gesagt, dass Zertifikat-Eigentümer auf Gewinne bei diesen Papieren zumeist lange warten und dementsprechend geduldig sein müssen. Insgesamt zeigt sich, dass ein typisches Kapitalschutz-Zertifikat gute Chancen bietet, um als Anleger weitgehend auf Nummer sicher zu gehen. Schließlich kann ich „nach oben“ vorbildlich profitieren, während Händler „nach unten“ genau kalkulieren können, welcher Maximalverlust und welches Risiko Teil der Produkt-Bedingungen sind.

Strategischer Einstieg verlangt nach dem geeigneten Moment

Am Beispiel der Zertifikate mit Kapitalgarantie zeigt sich last but not least, wie wichtig der richtige Moment für den Einstieg am Markt ist. Ihren Zweck erfüllen Garantie-Zertifikate und Airbag-Zertifikate, die dem Bereich der Produkte mit eingebautem Kapitalschutz zuzuordnen sind, aber nur, wenn sie zum Zeitpunkt der Emission erworben werden. Bei einem späteren Kauf zu einem höheren Preis, bleibt der garantierte Auszahlungsbetrag bestehen. Anpassungen sind ausgeschlossen.

Keine Kursgarantien beim Weiterverkauf während der Laufzeit vorgesehen

Der Garantiewert wird generell auf den Emissionspreis bezogen angegeben, nachträgliche Neuberechnungen sind in den Produktbeschreibungen der Emittenten nicht vorgesehen. Der höhere Preis bei späterem Einstieg ist also im Ernstfall als zusätzliches Risiko und möglicher Verlust zu verbuchen. So kann auf Umwegen ein deutliches Minus entstehen, das Händler durch rechtzeitige Käufe hätten umgehen können. Unterm Strich fällt der Vergleich verschiedener Kapitalschutz-Zertifikate relativ leicht. Denn der Garantiepreis fürs Laufzeitende gibt genau an, welches Verlustrisiko existiert. Bei einem Garantiewert von 80 % auf den Emissionspreis, beläuft sich der maximale Verlust auf 20 %, wobei hier noch die genannten Gebühren und Kosten mit einkalkuliert werden sollten.

stefan

Mein Fazit

Zugegeben: Auch bei Kapitalschutz-Zertifikaten können die Risiken eines Verlusts in aller Regel nicht vollends verhindert werden. Das sprichwörtliche Restrisiko existiert in diesem Bereich ebenfalls bei den allermeisten Angeboten. Jedoch können zukünftige Zertifikat-Inhaber durch eine präzise Planung und Vorbereitung selbst Einfluss auf Risiken und die realistischen Renditen geltend machen. Welche Summe zahlen Emittenten bei Fälligkeit auf jeden Fall aus? Welche Ausgabeaufschläge muss ich entrichten beim Einstieg? Die Antworten auf diese und andere Fragen helfen bei der Suche nach individuell passenden und relativ risikoarmen Zertifikaten mit eingebauter Kapitalgarantie bei Erreichen des Laufzeitendes und des Fälligkeitstags.

Autor: Agnes Nitsche